Elfenfein

Ihr Lieben!

Kaum hatte ich also festgestellt, dass unser Standort in Remuera doch gut zum Schreiben ist (nur die innere Haltung muss stimmen), bekamen Kat und ich ne Nachricht vom Hauptmieter, dass er doch schon Mitte September nach NZ zurückkehrt und wir bis dahin doch bitte verschwunden sein sollen.

Außerdem war auch sehr schnell die Tatsache nicht zu übersehen, dass es dringend angesagt war, ohne irgendwelche Einnahmen weitere Anstrengungen zu unternehmen, meine Ausgaben zu minimieren.

Was hier sehr beliebt ist, ist das sogenannte wooffen. Da arbeitet man zwischen zwei und vier Stunden täglich (Haus / Hof / Kinderbetreuung etc.), für freie Kost und Unterkunft, so, wie das auch in Northland der Fall gewesen wäre.

Takapuna BeachEs gab einen wunderschönen Ausflug in Auckland an der North Shore (Takapuna Beach) mit meiner hier gefundenen Freundin Andrea, die auf so herzallerliebste und in erstaunlichster Weise meiner verloren gegangenen Berliner Freundin Inge Hermine so dermaßen ähnelt, dass ich mich manchmal kneifen muss… Nur dass Inge zwei Söhne – und Andrea zwei Töchter hat, und letztere ein paar Jahre jünger, während Inge ein paar Jahre älter ist als ich.

 

Andrea am Takapuna Beach

Andrea am Takapuna BeachNa jedenfalls sprachen wir auf dem Ausflug über die zu stemmenden Veränderungen und Andrea gab mir den Rat, in den verschiedenen Gruppen, denen ich seit geraumer Zeit beigetreten war (German-Kiwi-Network, Job Opportunities For Germans Living In New Zealand, Germans Living In New Zealand, New Zealand Backpackers, Work And Travel…. etc.) mein Anliegen zu posten, was ich auch tat.

Eine der Seiten pflegt Andrea selber und sieht deswegen natürlich auch alle Posts zuerst. Vor vier Wochen hatte ich dann plötzlich eine Nachricht in der Mailbox: ‚Andrea hat Deinen Namen in einem Beitrag erwähnt.‘

Da hatte eine Frau gepostet: „Housesitting in Mt. Albert.“ – Man zahlt keine Miete, höchstens, wenn überhaupt, Nebenkosten. Und da hat Andrea direkt drauf geantwortet: „Antje Krüll!“ Das war gerade ein paar Minuten her, und ich habe mich sofort darauf gemeldet. ———————— 

Haus in Mt. AlbertHaus in Mt. Albert

Ich hab’s bekommen! Und das tollste: Die Eigentümerin des Hauses, übrigens eine Berlinerin, die seit fünfzehn Jahren hier lebt, sagte schon am Telefon: „Das Haus ist so groß, bring doch Deine jetzige Mitbewohnerin mit!“

So sind Kat und ich am 24.08. von Remuera nach Mt. Albert in das große Haus umgezogen : -) Am 7.Oktober kommt die Familie zurück, doch wir haben die Option, trotzdem hierbleiben zu dürfen; mal schauen…

Was ich zurücklassen musste: unseren zugelaufenen Kater Latzikatz oder ‚Enzo, wie er wohl bei seinen Vorbesitzern hieß, der dann noch zur ‚Geldkatze‘ wurde, als ich ihn dann endlich nicht nur gefüttert, sondern in kalten Nächten auch reingelassen habe. 

Kater LatzikatzKater Latzikatz

Kennt Ihr Geldkatzen? Damit bin ich als Kind noch einkaufen geschickt worden… Ich musste so fürchterlich heulen, als der Kater sich von mir verabschiedete (das tat diese Katze eindeutig!), doch der Landlord hat versprochen, er kümmert sich. Schnüff…

Und mein Mt. Hobson, ‚Höbs-chen‘ wie ich sage, denn es ist ja nur ein ganz kleiner Vulkan mit wundervollen ‚Erdfreunden‘ darauf; seht: Und diesen Wahnsinnsblick halt jeden Tag. Und die Ruhe…

AusblickBaum

Das fehlt jetzt. Kann man jemals alles haben, was man wertschätzt? Wir lernen ja auch nicht zur gleichen Zeit alle Dinge kennen, die wir für wertschätzenswert halten… Doch vielleicht synchronisiert sich das als ‚Ganzes‘ ja eines schönen Tages. Wie schön wär das!

Ausflug Mission Bay einen Tag vor unserem Umzug mit Landlord Paul: Karaka Beach, Künstlerkolonie. Briefkästen! (…150822_013, 012, 019) Paul mit Katja Mission Bay (oo7)

Wir waren gerade aus Remuera weggezogen, da saß ich hier am neuen Platz und überlegte: wenn ich jetzt nicht mehr täglich den pazifischen Ozean sehen kann, was kann mir dann helfen, den besonderen Geist der Feuer-Wasser-Verbindung weiterhin zu spüren?Und dann habe ich SIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEE gefunden: 

Meerjungfrau. Muse
Ist sie nicht wunderschön? Eine Merermaid, Wasser-Elfe. Meerjungfrau. Muse.
Ich freue mich jeden Tag, dass wir uns gefunden haben. Es ist jenseits aller Götzen-Anbetung! Sie inspiriert mich lediglich und schaut mir beim Schreiben zu.

Das noch: Fashion Week Auckland: Kat und ich neugierig: Ein paar Bilder:

Fashion Week AucklandFashion Week AucklandFashion Week Auckland

Fashion Week AucklandFashion Week AucklandFashion Week Auckland

Alles Liebe!

Zehntausendgüldenkraut

Ihr Lieben,

Frühlingsgefühlees ist schon der Wahnsinn, wie die Zeit dahin rast! Jetzt wohne ich schon zweieinhalb Monate in Auckland, und es wird Frühling! Dabei habe ich noch nicht mal die Winterbilder eingestellt…  
Es gibt auch gar nicht mal so viel zu erzählen diesmal. Bis vor zwei Wochen waren hier Winterferien. Alles pausierte. Mein endlich gefundener Chor, die Tanzgruppe.

Ich sitze halt viel vorm Lappy und schreibe am Kinderbuch  –  so ziemlich das Einzige, was echt langsam geht : -(  Aber es wird! : -)

Kinosaal des Civic CentersZwischendurch gab es hier das NZIFF, sprich: New Zealand International Film Festival. Dort bin ich natürlich erwartungsfroh hingesprungen. Allerdings hat das, wie ich dann feststellen musste, so gar nix zu tun mit dem, was wir in Europa unter Filmfestivals verstehen… Es gibt keinen Wettbewerb, keine Weltpremieren und so’n Spökes. Keinen Film Market und keine Nachwuchssektion. Hier der Kinosaal des Civic Centers aus den 20er Jahren… Einriiiiiesiger Saal – sehr imposant.

Man hat einfach größtenteils alles Mögliche zusammengeklaubt, was erfolgreich im Jahresverlauf auf anderen Filmfestspielen der Welt gelaufen ist, noch eine Neuseeland und eine Maori – Sektion hinzuaddiert, und gut isses!

Um genügend Schütte aus dem Aufwand zu holen, tourt das ganze Spektakel dann quer durch NZ. Auckland durfte den Reigen nur eröffnen : -)

Zumindest einen Film hab ich mir dann doch angeschaut. Nicht, weil er mir beim Studieren des Katalogs als so herausragend aufgefallen wäre (hätte mir am liebsten einen Maori-Film angeschaut, doch das kriege ich auch noch hin), sondern weil er zur passenden Zeit im passenden Kino gelaufen ist. Er hatte jedoch tatsächlich ein „Alleinstellungs-Merkmal“, was mir jedoch erst hinterher aufgefallen ist.

Im Katalog war zu lesen, dass das Auswahlkomitee diesen Film ganz zuletzt in das Programm mit aufgenommen hat, weil sie so beeindruckt waren, vor allem von den schauspielerischen Leistungen. Dies ist tatsächlich der einzige Film der gesamten internationalen Sektion, den sie sich ‚getraut‘ haben, zu zeigen, ohne dass er vorher auf einem anderen Festival gelaufen und ausgezeichnet worden ist (zumindest dem Katalog nach):  

KatalogausschnittINHERENT VICE     USA 2014     149 mins

Screenplay: Paul Thomas Anderson. Based on a novel by Thomas Pynchon

With: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio del Toro, Jena Malone

Und ich muss sagen: ich war (und bin) schwer beeindruckt!

Dieser Mister Phoenix ist einfach ein… (Alb hier!)Traum!

Maske, Kostüm, Ausstattung —– vom Feinsten. Selbst der Dreck unter den Fingernägeln wurde nicht vergessen… Und man konnte dem Werk ansehen, was für einen immensen Spass die während der Dreharbeiten gehabt haben müssen! Ich liebe solche Filme!

DebbieHolzhausDann war ich mit Debbie vom Parnell Community Center in ihrer Mittagspause auf Sightseeing-Tour dieses Stadtteils. Ihr erinnert Euch an Debbie? Ich hatte sie vor zwei Monaten kennen gelernt.
Es ist sooo toll, von einem ‚Einheimischen‘ die Gegend gezeigt zu bekommen!

  

Sodann war ich mit Lois, die ich auch in einem Chor kennen gelernt habe, in der Art Gallery. Sonderausstellung: WUNDERRUMA. Das U von RUMA hat eigentlich einen Strich darüber, aber ich weiß nicht, wie man das macht…

SchmuckstückEin Kiwi-Goldschmied (Warwick Freeman) und ein ebensolcher Deutscher (Karl Fritsch) haben sich zusammengefunden, um eine Ausstellung zu machen über zeitgenössischen neuseeländischen Schmuck. Ruma mit Strich über dem U heißt Raum, na und Wunder kennt Ihr ja alle : -) Wonderworld!   

SchmuckstückeDie vielsagendsten – und für mich bedeutensten Exponate waren jedoch die, die diese beiden Curatoren aus schon bestehenden NZ- Sammlungen rekrutiert haben. Zeitlose Dinge!

Was ‚contemporary‘ anbelangt, so hat mich nur ein Exponat wirklich berührt. – Und zwar so, dass ich es (leider!) nicht fotografiert (-graphiert? geshootet? abjelichtet?)  habe aus tatsächlicher Betroffenheit:

Ein Kasten mit toten echten Fliegen. Jede Fliege war individuell angemalt. Mit Öl, Acryl, Aquarell (hat nicht so gut aufgetragen…), allem Möglichen. Puh! Wie kommt man denn da drauf???

Ah ja, und dann hatten meine Mitbewohnerin Kat und ich noch einen Ausflug nach Northland, bei Whangarei (dreieinhalb Stunden Drive from Akl), weil ich ja dachte, ich sollte einen Ort finden, wo ich mehr spirituelle Unterstützung für mein Buch finden könnte. An der Ostküste.

Große Enttäuschung! Für mich sah’s da oben aus wie in Bayern, für Kat mehr wie Schottland, (wo ich noch nie war…), denn in Schotti haben die wohl die gleichen Zäune wie in dieser Region ( Vulkanischer Felsstein).

Und die Frau des deutschen Ehepaares, die dort ein Backpacker-Hostel mit viel Landbesitz drumrum betreiben und ein kleines Cottage gegen stundenweise Mitarbeit auf dem Gut zur Verfügung stellen, wofür ich mich beworben hatte und mit der wir eine feste Verabredung hatten, erwartete uns schon auf dem Parkplatz vor dem Gutshaus, um mir ohne Willkommensgruß mitzuteilen, dass sie das Cottage jetzt schon anderweitig vermietet hätten. Obwohl wir den weiten Weg gemacht haben, – sie mir keine Benachrichtigung hat zukommen lassen -, hat sie uns noch nicht mal ein Glas Wasser angeboten : -(

Auch wenigstens eine kleine Besichtigung ihrer Farm lehnte sie kategorisch ab. Stattdessen standen wir geschlagene anderthalb Stunden auf diesem Parkplatz und sie erzählte, wieviel Gastfreundschaft sie auf ihren Fernreisen vor der Auswanderung kennen gelernt hätte und dass sie deswegen aus Deutschland weg sind. Heidewitzka. Deutsche Gastfreundschaft und Gemütlichkeit…

Wasserfall bei WhangareiDoch getreu meinem Euch allen wohlbekannten Motto: Nichts ist so schlecht, dass es nicht doch wiederum für was gut ist, —– war das natürlich auch hier so : -)
Wir haben dann einen nahegelegenen Wasserfall besucht  

vor der Glühwürmchenhöhlevor der Glühwürmchenhöhleund eine Glühwürmchenhöhle, in die wir uns aber ganz allein nicht reingetraut haben : -(  

Kat und ich haben über Tipps von unseren Backpacker-Freunden aus der City Garden Lodge hier in Akl einen schönen Tipp für ein Hostel in Whangarei erhalten: The Cell Block. Ehemaliges Gefängnis von North Land, direkt gegenüber einer riesigen Polizeistation, die uns doch für diese verlassene Gegend etwas überdimensioniert erschien. Aber nein: Das Gefängnis war zu klein geworden für all die Straftäter in Northland; deswegen musste ein Neues her.

Der alte Block drohte zu verfallen, bis ein australisches Auswanderer-Ehepaar ihn entdeckt, gekauft und liebevoll renoviert hat. Das Interieur wurde so belassen (man muss wirklich die Zellentür hinter sich schließen), die Fenster sind nach wie vor vergittert. Es ist so frisch, dass die Besitzer noch gar keine Zeit hatten, es großartig zu bewerben.

Es war ausgebucht, mitten im Winter!

Die Inhaber gaben uns allerdings eine allerliebste Führung (nee, ich hab keine eigenen Fotos gemacht, war mir wieder mal zu peinlich…) gegeben und uns dann noch ein anderes, auch wundervolles Hostel empfohlenen, wo wir bestens untergekommen sind.

Hungrig wie die Raubkatzen sind wir dann auf die Jagd nach Essbahrem in Whangarei durchgestartet. Wir hatten keine Lust, im Hostel selbst zu kochen, obwohl wir alles Erforderliche dafür mitgenommen hatten. Kaum ein Mensch auf der Strasse. Nur ein scheinbar völlig durchgeknallter, blonder, barfüßiger Backpacker (10° Celsius!) mit Gitarre und ein paar heimatlos wirkende, jedoch sehr stylisch gekleidete Maori-Jugendliche mit ner Menge leerer Bierflaschen um sich rum, die uns angebettelt und nach Erfolglosigkeit wüstens beschimpft haben.

Tja, und dann kam da so ein einladend aussehendes japanisches Restaurant. Da sind Kat und ich reingehoppt. Die Raumgestaltung war extrem japanisch. Der Koch auch.

Zu unserer großen Überraschung war die Musik jedoch: meine Youngster-Musik… Rod Steward rauf und runter! Von „The First Cut Is The Deepest“ bis „Ease My Hunger Ease My Pain“, wo er bei einer Life- Aufnahme eines Konzertes, gesehen auf N-TV vor -zig Jahren, herzzerbrechend selbst in Tränen ausgebrochen ist, war alles dabei : -)

Das Sashimi war excellent und auch Katja war mit ihrem Huhn an….. weiß- nicht-mehr-was … ebenfalls beglückt.

Als wir dann nach Remuera zurück gekommen sind, war mein Gefühl, ich könne hier nicht gut schreiben, vollkommen verflogen :::: —-))))

Ich habe hier den besten Platz überhaupt und das Schreiben klappt prima. Leider muss ich mich mich nur immer wieder entscheiden: WORAN?

Posterledigung, Recherche, Blog schreiben kostet mich schon soviel Zeit, dass ich echt mit geröteten Augen da sitze und nicht weiß, wie ich’s mit meinem Buch machen soll…

Alles alles Liebe Euch!

*Antje

 

Neunmalklug

Ihr Lieben,

ist mir peinlich, dass der Blog so schleppend geht; – aber immerhin besser als gar nicht : -)

U-Bahn Plan gesamt

In NZ geht alles viel langsamer. Die Wege sind immens, der Verkehr hier in Akl eine einzige Verstopfung, deswegen (und aus schon besagten anderen Gründen) lasse ich das eigene Auto meistens lieber stehen. Die Öffentlichen fahren NIE(!) nach Plan und häufiger auch gar nicht. Rechts sieht man übrigens das gesamte Bahnnetz (drei Linien!!!!) für diese gigantische Stadt!

Mal gibts keinen Strom, dann doch wieder, dafür geht dann kein Internet…

Das einzige, was daher gefühlt noch schneller (ver)geht als anderswo: Die ZEIT.

Genau. Und ich war mit Achterbahn stehengeblieben in Tauranga.

Da war es noch Herbst (schnüff) und super Wetter. Schönster Sonnenschein und freundliche 20° begrüßten Ricarda und mich am Tag unserer Ankunft. Eine kleine Stadt an der Ostküste der Nordinsel, etwa zwei Autostunden von meinem nächsten Ziel Auckland entfernt.

Über den Bibelkreis, den ich in Berlin die letzten Monate vor meiner Abreise sehr begeistert besucht hatte, war die erste von den wenigen Adressen, die ich für NZ vorab erhaschen konnte, die einer christlichen Organisation.
Ursprünglich Ende der siebziger Jahre in Holland gegeründet, um die aufkommende Punk – Bewegung mit wilden Konzerten zu christianisieren (- was für eine Idee! Schon allein das ein Grund, sich da mal näher umzuschauen : -) ), sind sie mittlerweile an vielen Orten der Welt vertreten und haben 2014 ein Zentrum in Neuseeland, Tauranga, neu eröffnet mit Schwerpunkt ‚junge Backpacker‘, wie mir ein ebenfalls junger Bibelkreis-Teinehmer erklärte.
Und gab mir die Adresse, denn die würden sicherlich Bedarf an christlich orientierten und erfahrenen Sozialarbeitern haben…
Rieeeeeesiger Internet – Auftritt!
War sehr angetan, da wollte ich hin.

Schon von Berlin aus mehrmals hingeschrieben ——– nie eine Antwort erhalten.

Nun standen wir da, Ricarda und ich, direkt vor der angegebenen Adresse.
Von Zentrum keine Spur, nur ein zweistöckiges Wohnhaus : -( in der teuersten Gegend fast direkt am Strand.
Klingelschild Kontrolle, eigentlich wollten wir schon kapitulieren: YEAAAH! Man muss sich nur hinein
steiger.’n org.’inell, sag ich Euch ; -) da guckst Du, oder?…

Zugegeben, es war halb neun morgens. Da haben wir keinen Empfang mit großem Tam Tam erwartet.
Die Treppen heruntergeschlurft kam eine (natürlich!) junge benachthemdete muttihafte Erscheinung, öffnete die Glastür und sagte „Ja?“
„Guten Morgen“ antworteten wir im Choral, ich erklärte rasch wieso und weshalb wir hier waren und ob wir denn hereinkommen dürften in die freundliche Herberge?
Wir durften, nach kurzem Zögern.
Zappenduster dort, abgerantzte Möbel in der ‚Lounge‘, Muftibus all arround und seltsame Stimmung. Durch eine halb offene Tür konnte man ein düsteres Zimmer mit Mehrstockbetten sehen, alle anderen Räume waren geschlossen.

Ich erklärte mein Anliegen, dass nach Sichtung ihrer Internetseite ich sehr gerne eine Zeit lang als Sozialarbeiterin für diese Organisation arbeiten würde und gerne einen Termin für ein offizielles Vorstellungsgespräch ausmachen würde. Außerdem bedürfe ich für die nächsten zwei Nächte einer Unterkunft, danach müsste ich erstmal weiter nach Auckland.

Da müsse sie sich bei der hiesigen Leitung informieren war die Antwort. Die sei grad außer Haus und sie selbst nicht befugt, Termine zu machen oder Entscheidungen zu treffen. Sie würde mich dann per Textmessage wissen lassen, wenn sie eine Weisung erhalten habe. Sie wünsche uns einen schönen Tag.

Huch, was war das denn gewesen? Wieder draußen, schauten Ricarda und ich uns nur an.

Blick vom Mt. MaunganuiAlso schnappten wir uns mein Auto und fuhren zum Mt Maunganui, dem hiesigen Vulkanberg. Den sind wir ächzend hochgestiegen (wirklich sehr steil!) und wurden mit einem zauberhaften Ausblick belohnt! Ricarda hat auf dem Gipfel dann auch ihre Party-Group getroffen.

Ich bin später in ein Hostel eingecheckt. Da Ricarda nach Hamilton in ihr Krankenhaus zurückkehren mußte, würde ich jemanden suchen müssen, der/die mit mir zusammen die restliche Strecke nach Akl fährt.
Das habe ich meine neue Flatmate Katja per Whats App wissen lassen, damit sie wissen würde, wann in etwa ich ankomme. Und sie schrieb zurück: kein Problem, ich hole Dich morgen ab. Eine Freundin von mir hat in Tauranga zu tun, die nimmt mich mit.

Von jener christlichen com.nz hatte ich nach vier Stunden ne sms. Sie würden einmal in der Woche ein öffentliches Essen veranstalten, das nächste sei in fünf Tagen. Daran könne ich gerne teilnehmen. Sonst könnten sie leider nichts für mich tun.

Tauranga Walkway
Zufällig war noch Karo von unserer NZ Group ebenfalls in Tauranga. Wir haben uns verabredet und sind einen wundeschönen gemeinsamen walkway gegangen.

Ja, und dann ging’s am nächsten Tag ab nach Auckland mit Katja!

Ich bin sehr glücklich darüber, diese Wohnung in der Konstellation mit Katja gefunden zu haben. Das ist mehr als Gold wert…

Bach im GartenSchon ein paar Tage nach meinem Einzug hier hatte ich meinen 55. Geburtstag. DasWetter war so schön spätsommerlich, dass die abendliche Geburtstagsrunde mit Katja und den Mädels aus der City Garden Lodge überwiegend draussen stattfinden konnte, neben diesem so wundervollen Bach und seinem Gesäusel : -) Später kam noch Paul, unser Landlord dazu und als es zu kalt wurde, hat er uns noch alle zu sich in seine schöne warme Wohnung im ersten Stock eingeladen.
Doch irgendwie war ich nicht ganz froh: Kein Geburtstagsgruß von Glen…

Glen„Unsere Erwartungen sind verschieden. Ich wünsche Dir ein schönes weiteres Leben, jeder sollte seinen eigenen Weg gehen“ war wenig später seine letzte Nachricht.

BANG BANG, MY BABY SHOT ME DOWN.
(THIRD TIME. NOT AS CLOSE AS BEFORE, NOW FROM A DISTANCE)

Im Nachhinein betrachtet denke ich, er hatte einfach nicht die Traute, mir klipp und klar zu sagen: komm lieber nicht nach Auckland, ich will sowieso keinen Kontakt mehr. Mehr als einmal sollte man sich sowieso nicht erschießen lassen…

Ich habe mir einfach von A bis Z selbst ein X für ein U vorgemacht.

Nun, jetzt bin ich hier, wo ich eigentlich nicht wieder hin wollte, mit Mietvertrag und all meinem Geraffel und es nützt kein Hadern und kein Zauseln. Gott sei Dank habe ich nun ein zu Hause und stehe nicht noch auf der Strasse.
Natürlich ging es mir trotzdem sofort körperlich so schlecht, wie ich es nach Schicksalsschlägen nicht anders kannte… Das volle Programm, sogar um noch einige ‚Neuigkeiten‘ erweitert… : -(
Doch wie sagt Frank Hirsch immer so schön:“Nur die Harten komm’n in’n Garten“.

Antje in Auckland im WinterAuckland im WinterAuckland im Winter

Antje in Auckland im Winter

Und getreu meinem eigenen jahrzentelangem Credo nichts ist so schlecht, dass es nicht wieder für etwas gut ist fing sofort die Denkerchenmaschinerie an zu arbeiten: jetzt nur nicht sich selbst aufgeben! Ist doch nur n Mann! Sofort gesunde Struktur suchen! Arbeit! Leute! Aktivitäten!

Aber wo anfangen?
Ich fragte die Tochter des Landlords, die ihren verwitweten Vater jedes Wochenende besucht.
„Geh zur bezirklichen Bürgerberatung, die haben hier im reichen Remuera nix zu tun und nehmen sich richtig Zeit“ riet sie.
Um Leute kennenzulernen und meiner Ohnmacht etwas entgegenzusetzen, hatte ich mir überlegt, außer nach Arbeit auch nach einem Chor und einer Tanzgruppe zu suchen, wie ich sie beglückender Weise in Berlin letztes Jahr im Nachbarschaftsheim Schöneberg gefunden hatte.
(Kudret! Liebste Tanzgruppe! Seid herzlichst umärmelt und geknuddelt!)

Danach fragte ich die wirklich emsige Sozialarbeiterin vom Remuera citizen advice bureau, wo ich überaus freundlich und wohlwollend empfangen wurde, wie Andrea es mir angekündigt hatte.
Nach anderthalb Stunden (!) kam ich mit diversesten Broschüren aller möglichen kirchlichen und gemeinnützigen Organisationen und einem Haufen Webseitenadressen, die die Internet-Recherche zusätzlich ergeben hatte, dort herausspaziert, von einem goldigen Hoffnungschimmer innerlich erleuchtet.

Beim benachbarten Parnell Community Centre, einer der empfohlenen Adressen, sprach ich Tage später wegen der dort angebotenen Tanzgruppe und einem Chor vor, unter anderem, weil ich hier niemanden kenne und Gemeinschaft suche.
Mmmh sagte die freundliche Sekretärin, die ihr Gespräch mit einer am Empfangstresen lehnenden, silberweißkurzhaarigen Lady und offenbar Kollegin, unterbrochen hatte.
Die Tanzgruppe startet für das dritte Quartal Ende Juli und hat noch Plätze frei. Einen Chor haben wir leider nicht.
Toll, dass Du hergekommen bist sagte die Silberfüchsin. Gib mir mal Deine Email-, ich sende Dir Choradressen. Mein Name ist Debbie, wie ist Deiner, nice to meet you!

Flugs darauf die Email von Debbie: ‚Choirs for you and lunch?‘

Oh, welche Begeisterung!

Dem wundervollen Lunch folgte eine Einladung zu anderen Aktivitäten ein paar Tage später: erst zu Debbie nach Hause. Spektakulär! Sie wohnt mit ihrer Lebensgefährtin in einem unglaublichen Haus im reichen Westen Aucklands, oben aufm Vulkanberg mit Blick auf den pazifischen Ozean und die City… Der Wahnsinn. KarikaturIhre Freundin ist eine derbekanntesten Karikaturistinnen NZs (links), die unter anderem in der größten Tageszeitung, dem Herald, veröffentlicht. Wir sind dann gemeinsam zu einer großen Ausstellungseröffnung gefahren, wo es neben sehr lustigen Exponaten auch Sushi und leckeren Wein gab. Als krönenden Abschluss wurde ich von Debbie in ihren Chor zum Singen mitgenommen. Nur der Tag mit Kathrin und Dominik in Devonport ganz am Anfang war sooo schön (was Auckland anbelangt)…

Was hier wirklich schwer zu finden ist: gut bezahlte Arbeit.
SteingesichtDaher habe ich beschlossen: ich schreibe jetzt mein Kinderbuch weiter, dessen Expose´ über fünfzehn Jahre in meinem Schrank rumgedümpelt hat. Das hat mir Angelika hinterhergeschickt, und die Zeit wollte ich mir schon immer nehmen, doch das ging nie…
Wenn das Geld alle ist und das Buch immer noch nicht fertig, hab ich Pech gehabt. Für Ideen suche ich Inspiration in der Natur und lasse mich von ihren vielfältigen ‚Gesichtern‘ und weisen Nasen begeistern.

Portrait eines FantailsHier noch ein von mir handgedengeltes Portrait eines Fantails, wirklich sehr lustige kleine Piepmätze, die immer menschliche Nähe suchen (in Nelson sind sie sogar ständig durchs Haus geflogen, weil immer alle Fenster offen waren) und einem jederzeit etwas vorturnen, was gerade bei Traurigkeitsanfällen sehr beglückend ist…

So, das sind die Neuigkeiten. Jetzt fehlt noch der Start der Tanzgruppe, und dann wird das schon.

Liebste NZ Grüße!

*Antje

Achterbahn

Ihr Lieben,

es ist ja schon wieder sooo viel passiert in der Zwischenzeit (hab ja auch lang nix mehr geschrieben, weil ich in Nelson kein Internet hatte…), sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.Katja

Also ich bin seit dem 06.05.15 zurück auf der Nordinsel und schreibe Euch aus Auckland, wo ich am 11.05. meine erste ‚eigene‘ Wohnung bezogen habe. Die teile ich mit Katja, 22, aus Nürnberg, was total schön ist, viel schöner, als alleine herumzudümpeln; und natürlich noch viel viel schöner als im Hostel sein zu müssen…

 

Adresse: Antje Krull (hier gibts keinen Umlaut)
und dann siehe gaaanz unten.
Falls mir jemand mal ne Ansichtskarte schicken möchte : -)

Aber erstmal zurück nach Nelson:

Villa in der Shelbourne StAlso in der Villa in der Shelbourne St, in der ich mit dem Kiwi Duncan (mit alten schottischen Wurzeln, Verzeihung bitte, wenn ich ihn vorher als Schotten bezeichnet habe!) und der samoanischen Prinzessin Kaisarina zusammen gewohnt habe, durfte ich nach der ersten verschnarchten Nacht wegen suppentellergroßen Augenringen (aus Schlafmangel, auch Duncan hörte das Schnorcheln von Kai bis in seinen Raum am anderen Ende des Flurs) in ein eigenes Zimmer ziehen, das eigentlich Minthy gehört, seiner ältesten Tochter. Die ist jedoch nur ganz selten zu Besuch. Oben links die Fenster zu meinem Zimmer, daneben das Atelier.

 

Villa oben Minthys (my) roomDa gab es dann schon den ersten Knatsch mit der Prinzessin (ohne Scheiß, sie ist wirklich eine!!!), weil Kaisarina bei ihrer Ankunft im zugigen Atelierzimmer einquartiert worden war, da die Zimmer der Töchter nicht fremdbewohnt werden sollten, – hätte ihr damals der Hausherr erklärt. Ich wußte von gar nix.
Dass ich nun durfte, war für sie, klar wie Kloßbrühe: ein eindeutig rassistischer Akt!

Und meine dankbare Einwilligung zum Zimmerwechsel der Beweis meiner ebensolchen Gesinnung.

Villa in der Shelbourne St
Auch mein Vorschlag, ich würde im Atelier bleiben und sie könne sehr gerne in das Prinzessinnenzimmer wechseln (es ist eins, mit einem zauberhaften Blick in den wunderschönen Garten) konnte an dem neuen Stempel nichts ändern und wurde mürrisch abgelehnt.

Ich muss gestehen, dass auch mir ab und an aufgefallen ist, dass Duncan sich mir gegenüber irgendwie anders verhielt.
Das hatte jedoch mit Sicherheit keine rassistischen Gründe. Er hatte sie ohne zu zögern genau wie mich aufgenommen und es war ihm sehr offensichtlich ganz wurscht, was ihre oder meine Wurzeln sind.

Doch Kay (so nennt er sie) redet halt sehr gern und sehr viel und hat auch echt jederzeit ne Menge zu erzählen.
Duncan dagegen liebt die Stille. Sodass die beiden fast immer separat waren / gespeist haben.

Villa in der Shelbourne StNun war ich da, und Kaisarina sah mich und Duncan gemeinsam am Frühstückstisch.
Er hatte sich einfach zu mir gesetzt, seinen Toast und Tee verklappt und seine Zeitung gelesen.
Wir haben kein Wort gewechselt; es war eine stille Art des Einverständnisses, was ich nicht kapiert oder als ungewöhnlich hätte bemerken können, wenn Kay mir nicht erzählt hätte, dass er sonst immer für sich ist.
Auch das erzeugte bei ihr Verstimmung.

Naja, und dann habe ich auch noch gezögert, der Prinzessin Geld zu leihen, da sie auf mein ursprüngliches Angebot hin selbst sagte, sie wüsste nicht, ob und wann sie es zurückzahlen könnte.

Sie ist verbittert ausgezogen, einen Tag vor meiner eigenen Abreise, ohne sich zu verabschieden.
Ich hoffe, dass es ihr gut geht.

In der Zwischenzeit hatte ich mehrere Treffen mit Glen.
Hatte ihm gesagt, dass ich auch nach Auckland gehen will, wenn er dorthin umzieht. – Obwohl mir die Stadt am Anfang so überhaupt nicht gefallen hat, wie Ihr ja wisst..

Glen meinte: mach das, aber jeder von uns macht sein eigenes Ding. Ich kann Dir aber dann die Orte dort zeigen, die ich liebe (hat schon vorher viele Jahre in Akl gelebt).

Bin dann an seinem Geburtstag mit dem Flug, den er damals für mich gebucht hatte, um mich seiner Familie vorzustellen , für die Woche, die er ursprünglich für uns geplant hatte, nach Akl geflogen, um Wohnung zu suchen. Hab ich ihm aber nicht gesagt.
Glen hatte sein Ticket von der Universität umgebucht bekommen, ein paar Tage vorverlegt, sodass keine Gefahr bestand, ihm zu begegnen.

Übers Internet hatte ich nämlich schon nach WGs geschaut —- und war entsetzt über die Preise
: -O Nichts unter 200$ die Woche, ohne Strom- und Nebenkosten. Nicht mal am äußersten Stadtrand.
Also habe ich gedacht, ich flieg da hin und versuche, über die einzige Kontaktadresse, die ich über meine frühere Berliner Chor-Mittäterin Ingrid für die City erhalten und noch nicht genutzt hatte, eine Bleibe über Privat zu bekommen, die bezahlbar wäre.
Allerdings konnte ich Ingrids Verwandte nicht erreichen : -(

Sollte ich in der Woche nichts finden, müsste ich im mittlerweile eisig kalten Nelson bleiben, soviel war klar.

City Garden LodgeIch hatte mich im zentralen Stadtteil Parnell für ziemlich teuer Geld in einem Hostel namens City Garden Lodge (rechts, sehr empfehlenswert!) eingemietet, um möglichst viel zu Fuß abklappern zu können. Außerdem war das auch mein bevorzugter Suchbezirk.
Autofahren in Auckland konnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen. Chaotische Strassenführung, ständiger Stau und überhaupt ein radedolles Verkehrsaufkommen; UND dann noch Linksverkehr —- nee…

In der Lodge gabs ne ganze Handvoll total sympathische, clevere und kommunikative junge Frauen und einen Youngster (Yannik) aus Deutschland, mit denen ich abends zusammensass und ratschte.

Am vierten Abend, nachdem ich all die Tage wirklich nur völlig überteuerte Unsäglichkeiten besichtigt hatte, war mir komplett zum Heulen.

Paula, Claudia und Verena wollten wissen, was los ist.
Ich erwiderte, dass es so aussehen würde, dass ich mit meinem Budget wohl nix Bezahlbares zum Wohnen finden und dann nicht nach Auckland ziehen kann.
Paula und Claudia auf der Fähre nach Waiheke
Daraufhin kicherte Claudia (das Küken, krasse 19 Jahre jung) und sagte: na so was, grad gestern hat mir unser Bekannter seine Wohnung hier um die Ecke angeboten für wenig Geld. Er verbringt die hiesigen Wintermonate in Deutschland und will jemanden, der sich hier kümmert, daher die geringe Miete. Den ruf ich gleich mal an.

Andre, ein Auswanderer aus Leipzig, der schon seit 2009 hier lebt, hat sich am nächsten Tag mit mir getroffen, obwohl er Claudia gegenüber skeptisch war („50+, na ja..? : -/ „).

Aber wir waren uns dann doch gleich sympathisch —— und zwei Tage später hatte ich meinen ersten eigenen NZ Mietvertrag, juchuuuu!

RemueraRemuera grenzt an meinen Wunschbezirk Parnell und liegt noch viel weiter oben auf den      Ausläufern des Vulkanbergs MT Hobson. Der war den Maoris heilig und die Gegend wurde von ihnen hier im Norden als erstes besiedelt.
Durch die Vulkanasche war der Boden sehr fruchtbar und es wuchs dichter (Ur-)Wald, in dem hömmele ömmele leckere Vögel und anderes Getier hausten, was die Ansiedler von der Fischerei unabhängiger machte und den Speiseplan erheblich erweiterte.

Asblick RemueraVon hier oben hat man einen phantastischen Blick auf die Pazifik-Küste, die Vulkaninsel Rangitoto, den Hafen und den Stadtkern von Auckland, in das Remuera erst nach 1840 eingemeindet wurde. Und das natürlich, nachdem weiße Siedler den Maoris das ganze üppige Land für nen Appel und n Ei abgekauft oder es ihnen ganz ohne Entschädigung einfach weggenommen hatten.

Bach in unserem GartenEin gediegenes Villenviertel mit teils immer noch sehr altem Baumbestand, und einer der wenigen Innenstadt-Bezirke Akls, in dem noch Tui Vögel leben, die nicht nur wunderschön aussehen, sondern auch herzallerliebst singen (täglicher Ohrenschmaus…).
Und hier hab ich nun ausgerechnet die einzige bezahlbare Wohnung gefunden : -)
In einer Villa Baujahr 1997.
Landlord PaulOben wohnt der Landlord (Hausbesitzer) Paul, 1951 aus Holland nach NZ gesiedelt, 89 Jahre jung und sehr charmant; unten wohnen Katja und ich.
Vor meinem Doppel!-Fenster fließt ein Bach, der dem MT Hobson entspringt (24 Stunden
Ohrenschmaus) und alles rein wäscht (mich hoffentlich auch).

Latzikatz Remuera

Und ne Latzikatz haben wir auch (ausgesetzt von Nachbarn, die weggezogen sind…)

Also mit dem Mietvertrag in der Tasche zurück nach Nelson, mein Auto und meine Sachen holen.

Im selben Flieger —– saß Glen, obwohl er mir vorher erzählt hatte, die Universität hätte auch seinen Rückflug umgebucht. Und das allerseltsamste: er hatte den Platz neben mir, obwohl ich getrennt automatisch eingecheckt hatte —– und schien überhaupt nicht erstaunt zu sein, mich zu sehen.
Wir haben viel gelacht und ich war froh, meine erfolgreichen Neuigkeiten erzählen zu können; er hat mich mit seinem Taxi vom Nelson Airport noch mitgenommen zu Duncan’s Villa und gesagt, dass wir uns auf jeden Fall vor meinem Umzug nach Auckland treffen sollten.

Ha’m wir auch gemacht.
Boulder BankEine Wanderung über die sogenannte Boulder Bank, die Nelson vorgelagert ist. Ein persönlicher Besuch der Aussicht, die man von Glen’s Haus aus den vorderen Zimmern hat, was er sich immer vorgenommen hatte, doch bisher nicht realisiert hatte.

Ein natürlicher steinerner Deich, über Jahrtausende entstanden, der den rauhen Pazifischen Ozean schutzhaft in ein ruhiges, seenhaftes Gewässer vor den Toren der Stadt verwandelt. Hier der Anfang der kilometerweiten Geröllstrasse durch das Meer, und ganz da hinten kuschelt Nelson.

Hach, natürlich bin ich sofort wieder dahingeschmolzen (nein, hab ich versucht, nicht zu zeigen, doch man sieht mir ja alles immer an)…

Zwei Tage später sollte der Umzug losgehen. Doch wie nur von A nach Z kommen? Meine Augen haben sich seit Kaikoura nicht verbessert, also brauchte ich jemanden, der mein Auto und mich mitbewegt.

Irina_aus_BerlinÜber Internetportale, in denen ich gepostet habe, hat mich Irina gefunden. Backpackerin aus Berlin. Will auch nach Wellington (1. Station von Nelson mit Fähre zur Nordinsel).
Wir sitzen bereits im Auto auf dem Weg zur Fähre und erzählen. Woher aus Berlin? Zehlendorf. Und Du? Auch. Ah, welche Schule? Schadow. Und Du? Auch! Mhm. Welcher Lehrer? Suda… Wir haben so gelacht!
Irina ist 25 Jahre alt, studiert Medizin.
Lieber Uwe, eine von Dir immer noch begeisterte Schülerin hat mich nach Wellington gefahren!

In Welli war das Wetter unsäglich. —- nicht nur windy Welli, was man ja überall lesen kann und vorher weiß —- sondern very wet and very very windy Welli! Innerhalb einer Minute war man komplett durchnässt, weil: Regenschirm zwecklos.
Also mal wieder in die trockene… BIBLIOTHEK.

RicardaAuf dem weiteren Weg haben wir Ricarda eingesammelt, die ich ja in Picton kennengelernt hatte und die nicht so sehr weit weg von Welli im Krankenhaus als Ärztin arbeitet und in Tauranga am nächsten Tag auf eine Party wollte. Sie ist vom Tongariro Nationalpark, wo wir Irina und ihren französischen Mitwanderer abgesetzt haben, mit mir weitergefahren.
Die Nordinsel, von der ich bislang ja so wenig gesehen habe, mit dem Auto zu durchqueren, war schon ganz wunderherrlich, zumal ich ja nicht fahren musste. Nicht so wild wie die Südinsel, doch auch sehr bezaubernd… – Hinter jeder Kurve sieht es anders aus.
Nach zehn Stunden Autofahrt, davon zwei bereits in absoluter Stockfinsternis (hier gibt es keine Autobahnbeleuchtung) und Dauerregen war mir dann alles zuviel, selbst als Beifahrer.
Also sind wir in Rotorua (bekannt für seine heißen Schwefelquellen) in ein Hostel gegangen, in dem Ricarda schon mal übernachtet hatte. Zu sehen war bis auf Dampfgeschwader allüberall nix von den Quellen (war ja dunkel), doch wer den eindringlichen Geruch von faulen Eiern liebt (ich ja nich so
: -/ ) musste sich hier gleich zu Hause fühlen.

Über whats app hat sich rausgestellt, dass Paula und Claudia ebenfalls übers Wochenende in Rotorua weilten, und so haben wir uns flugs noch nachts um 11.00 auf ein Bier in einer Bar getroffen (meine erste in NZ!).
Wir mit langen Hosen und Wetterjacke, weil 12°C und Regen, klar.
Nicht so die NZ Girlies! Nackte Beine, offene High Heels und das ganz besonders kleine Schwarze, Weiße oder Bunte, gerne noch mit Ausschnitt bis zum großen Zeh . Und damit draussen sitzen. Wir haben nicht schlecht gestaunt.

Um 2.00 nachts lag ich im Hostelbett. Um 6.00 morgens hat mich Ricarda geweckt, die so schnell wie möglich zu ihrer Freundin nach Tauranga wollte.
Da sind wir um 8.00 wohlbehalten angekommen.

TAURANGA

Meine erste Adresse von Berlin aus. Ich glaub, ich muss jetzt mal stoppen, sonst denkt Ihr noch, Ihr hört nie wieder von mir…

Seid herzlich umärmelt,

*Antje

Antje Krüll
Zen Shiatsu
19B Shera Rd
1050 Remuera Auckland
New Zealand

Siebensachen

Ihr Lieben,

nach Nelson zurück zu kommen, war doch ein sehr seltsames Gefühl. Wunderschön auf der einen Seite — sich mal irgendwo hier einigermaßen auszukennen und nicht ständig mit nem Stadtplan oder ner Karte bewaffnet sein zu müssen… : -)
Doch all der ganze Herzschmerz war natürlich auch wieder äußerst gegenwärtig, aber das war ja klar.

Habe wieder in meinem vorherigen Hostel eingecheckt (dem Aurora Backpackers), und nach zwei Tagen habe ich sogar das Zimmer wiederbekommen, in dem ich davor war.
Alles, was einem irgenwie bekannt ist, ist hilfreich…

FeuerkünstlerDen zweiten Tag nach meiner Wiederkehr hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei community art works, und das war wirklich sehr bezaubernd.

Das ist eine Institution, die von zwei Künstlern betrieben wird: Faye, eine siebenundsechzig Jahre alte, überwiegend rüstige, waldgeisterhafte Lady, Kostümbildnerin, die wundervolle Bühnenkostüme hergestellt hat und noch herstellt, und ihr Sohn Karl, ein phantastischer Feuer-Künstler , Jongleur, Masken- und Skulpturenbauer, der das alles auch sehr erfolgreich lehrt  und weitergibt. In ihrem wundervollen Atelier machen sie unter anderem täglich Kunst mit behinderten Menschen (sei es geistig, körperlich oder beides), und darin besteht auch genau unsere Schnittstelle. Dafür werden sie mehr schlecht als recht von der Stadt Nelson bezahlt, wie das bei sozialen Projekten häufig der Fall ist.

FeuerkünstlerFaye hat eine schlimme Schulter, weswegen es ihr schwer fällt, die Behindertenarbeit alleine zu bewerkstelligen. Karl ist mit seinen Auftritten so gefragt, dass er einfach viel unterwegs sein muss und seine Mutter daher oft nicht mehr ausreichend unterstützen kann. Daher die Überlegung, jemanden zusätzlich mit ins Boot zu holen.

Mein Lebenslauf und meine eher seltene Qualifikationskombination lösten Begeisterung aus, und auch ich war sofort begeistert.
Sie würden es großartig finden, mit mir zu arbeiten, sagte Faye. Es gäbe da nur ein kleines Problem: sie wüßten nicht recht, wie sie mich bezahlen können… : -(

Sie schlug vor, ich solle doch wann immer es passt einfach vorbeikommen, um den Betrieb – und vor allem die behinderten Menschen – kennen zu lernen und sie würde sich derweil Gedanken machen, wo man Geld für eine Stelle für mich auftreiben kann.

Gedenktafel in Nelson

Als sie hörte, dass ich im Aurora untergebracht bin, verfinsterte sich ihre Miene und sie deutete an, über dieses Hostel nichts Gutes gehört zu haben. Und ich muss tatsächlich sagen: seit meiner Rückkehr hatte sich da einiges sehr seltsam entwickelt…
Jetzt im Herbst, außerhalb der touristischen Hochsaison, nimmt Kevin, um seinen Aurora-Stall trotzdem voll zu bekommen, äußerst zwielichtige Gestalten als Gäste auf, und kostenloses Internet gab es auf einmal auch nicht mehr.

Karl hat mir vorgeschlagen, in das Haus eines ihrer Freunde umzuziehen, wo gerade ein Zimmer frei geworden war, für weniger Miete als im Hostel.

Das hab ich gleich am nächsten Tag gemacht.
Eine wunderschöne 20er Jahre Jugendstil-Villa mit einem alten Garten voller Fruchtbäume. Feigen, Äpfel, Zitronen, herrlich! Dazu ein kleiner Kräutergarten mit Salbei, Rosmarin, Minze, Zitronenengras etc..
Das Haus ist riesig, und so wohnen darin, wenn alle Zimmer belegt sind, zehn Leute.

Und da hängt er auch schon, der Haken. Für zehn Leute ein Kühlschrank und ein vier Flammen Herd, zwei Duschen : -( , drei Waschbecken.
Die Badewanne, die beim Besichtigungstermin mein Herz freudvoll hat hüpfen lassen, habe ich am ersten Tag gleich ausprobiert, natürlich nur halb voll. Ich wurde gleich abgewatscht. Da die Energiekosten durch zehn geteilt werden, sei Baden nicht erlaubt, wurde ich vom Besitzer Kerry belehrt.
Doch das allerschlimmste, und das war vorher leider auch nicht auszumachen: direkt neben mir ein Zimmer mit einer dreiköpfigen Boygroup zwischen achzehn und zwanzig, die aus Dänemark zum ‚chillen‘ nach NZ gekommen sind. Höchstwahrscheinlich haben die Eltern ihre gesamten Spareinlagen den „Kindern“ mitgegeben, damit sie bloß so lange wie möglich wegbleiben.
Gott sei Dank keine Frühaufsteher, plärrte ansonsten von 11.00 morgens bis 11.00 abends die Musikanlage, und zwar volle Möhre, und ein Joint jagte den nächsten.
Meine Bitte am ersten Tag, doch bitte auf Zimmerlautstärke einzupegeln, wurde exakt zwei Minuten befolgt und danach auf Maximum gedreht.
Da war es dann auch nur begrenzt schlimm, dass auch das Wifi, in der Miete inclusive, in meinem Zimmer nicht ging; ich hätte dort eh nix arbeiten können…
Und da man in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch keine Isolierungen für die Häuser (einfaches Holz) vorgesehen hatte, bin ich am nächsten Morgen als kleiner Eiszapfen aufgewacht…

Somit war sehr schnell klar: da kann ich auch nicht bleiben. Nach einer Woche Psychoterror konnte ich nicht mehr…

Villa in NelsonDas habe ich einer Frau mit dem lustigen Namen Kaiserine erzählt, die ich auf dem Bio-Wochenendmarkt kennengelernt hatte. Kaiserine stammt ursprünglich aus Samoa, ist genauso alt wie ich. Sie hat schon mal jahrelang in NZ gelebt, ist dann nach Deutschland gezogen, war mehrere Jahre in Berlin, in München, dann in Kiel, und ist vor sieben Monaten nach NZ zurückgekommen.
Sie bewohnt in einer anderen Villa, die gerade vom schottischen Besitzer aufwändig umgebaut und isoliert wird, ein Zimmer und und bot mir an, bis auf weiteres das Zimmer mit mir zu teilen.
Da der Besitzer einverstanden war, bin ich heute (07.04.) wieder mal umgezogen. Mal sehen, wie es mir mit dem Gemeinschaftszimmer ergehen wird…

GlenOstersamstag habe ich mich mit Glen getroffen. Ich hatte ihn per Mail informiert, dass ich wieder da bin und ihn um ein Treffen gebeten, um zu versuchen, eine normale Ebene wiederherzustellen. Ich wollte nicht bei einer zufälligen Begegnung das Gefühl haben müssen, unterm nächsten Teppich verschwinden zu wollen. Er hat eingewilligt.

Tja, wie ich feststellen musste, ist die Faszination ungebrochen. Ob das auch als Freundschaft geht, halte ich für nahezu ausgeschlossen, aber ich werde mein Möglichstes tun.
Jedenfalls sind mir drei Tonnen Last von den Schultern gefallen, und Lachen geht auch wieder, trotz aller anderen Unbill : -)

08.04.:
Meine erste Nacht mit Kaiserine im Gemeinschaftszimmer hat mir die sekündliche Anschaffung von Ohropax nahegelegt…
Der Raum ist um einiges wärmer als das Zimmer davor, obwohl es nur eine verglaste Veranda mit teilweise fehlenden Fenstern ist, aber eben auf der Sonnenseite.
Ansonsten haben wir es uns – den Umständen entsprechend – ganz gemütlich gemacht, was nicht so einfach war: Kaiserine hat ihren gesamten restlichen Besitz dabei. – Dagegen sind meine 30 Kilo wie Handgepäck.

Villa in NelsonWas meine Arbeitsmöglichkeit anbelangt, so hat sich doch recht schnell herauskristallisiert, dass Faye und Karl damit gerechnet haben, dass ich mich bei ihnen auf unbestimmte Zeit ehrenamtlich engagiere, wenn man mir nur eine Stelle irgendwann in Aussicht stellt. Ehrenamt wird in NZ groß geschrieben…
Ich bin zwar jeden Tag hingegangen, habe aber meine eigenen Sachen gemacht (z.B. im Internet nach bezahlter Arbeit suchen) und mich nur so plaziert, dass die Anwesenden sich an mich gewöhnen konnten, habe mich mit jedem von ihnen unterhalten, mich jedoch in die Arbeit selbst nicht eingemischt.
Faye wurde von Tag zu Tag frostiger.
Nun nach der Osterpause habe ich mir ein Herz gefasst, bin ins Atelier gegangen und habe Faye um ein offenes Gespräch gebeten.
Ziemlich unumwunden hat sie sofort zugegeben, was ich mir längst gedacht habe, dass es von Anfang an klar war, dass sie mich niemals würden regulär bezahlen können und sie auf meine kostenlose Unterstützung gehofft hat, sie wollen das Atelier im Winter sowieso endgültig aufgeben.
Sie könne sich auch nicht vorstellen, dass es jemand anderes in Nelson gibt, der mich meiner Qualifikation entsprechend bezahlen könnte, doch wenn sie was hören sollte, würde sie sich melden. Das war das mit der Arbeitsstelle.

Da ist es nur gut, dass Duncan, mein neuer Landlord, gesagt hat, er will keine Miete haben, weil das Haus eine Baustelle ist… Nur leider ist die Nacht dort um 7.30 Uhr vorbei. Dann übernehmen Kreissäge, elektrischer Hobel, alle Arten von Hämmern, die Bauarbeiter und das Baustellenradio die Regie.

Jetzt habe ich quasi zwei neue zu Hause: nachts Shelbourne ST, und tagsüber seit heute die öffentliche Bibliothek Nelson…
Denn wo geht man hin, wenn man in Not ist? Das habe ich ja schon ganz zu Anfang in Auckland gelernt. Wenn das hier so weitergeht, werde ich wohl schneller wieder dort sein als gedacht…

Glen geht übrigens auch nach Auckland. Er hat dort zum 1.05.15 eine neue leitende Stelle an der gleichen Universität, für die er bislang hier in Nelson arbeitet.

Alles Liebe, bis zum nächsten Mal,

*Antje

Sechstagerennen

Ihr Lieben,

jetzt habe ich sehr lange von mir weder hören noch sehen lassen, was mir auch sehr peinlich ist. Doch die Ereignisse haben sich hier – ganz neuseeländisch – quasi überschlagen.

Ich habe mich verliebt. Unsäglich und gleich zwiefach. Die eine Liebe wächst, die andere ruht nun. Beides auf einmal war auch einfach zu heftig, zumal ich alles in einen Topf geworfen habe und nicht in der Lage war, das auseinander zu klamüsern.

Ich versuche mal wieder, mich kurz zu fassen, mal sehen wie weit ich komme…

GlenChristel, zu sehen in fünf ist Trümpf, hat mich in in Christchurch ihrem Ex Lebensgefährten vorgestellt, der gerade geschäftlich dort war, – GLEN (Foto).
Ich habe mich auf den ersten Blick total verliebt, und das ist mir das erste und letzte Mal mit vierzehn passiert…
Glen lebt in Nelson (im Norden der Südinsel) und hat mich spontan zu sich eingeladen (Der Ort mit den meisten Sonnenstunden in ganz Neuseeland).
Es war wie im Märchen.

Ausblick vom HausGlen bewohnt ein Haus auf einem Hügel am Stadtrand von Nelson in einem Ort namens Atawhai (Maori: behalten, bewahren) mit Blick auf den pazifischen Ozean (Foto). Er arbeitet an der hiesigen Universität, ist ein sehr gebildeter, sensibler und charismatischer Mann, macht selber Kunst und hat einen äußerst guten Musikgeschmack (finde ich).

Abel Tasman Nationalpark Cable Bay

Er hat mir die wunderschönsten Orte hier gezeigt, den Abel Tasman, Golden Bay, Takaka Hills…(Fotos), – das wirkliche Neuseeland wurde mir da plötzlich zu Füßen gelegt, und dies teilen zu dürfen mit einem anderen Menschen: sensationell….

Wer mag, schaut sich das mal auf der Karte oder dem Globus und vielleicht sogar im Internet an; es ist wirklich das aufregendste und inspirierendste, was ich an Natur bisher erlebt habe. Ja und dann natürlich auch noch: Sommer, Sonne, phantastische Sternenhimmel…

AutoGlen hat mir auch geholfen, ein Auto zu kaufen (Foto), denn ich wollte ja noch die ganze Südinsel selbstständig bereisen, doch auf einmal dachte ich: das, was ich in Nelson gefunden habe, ist exakt das, was ich mir erträumt und gewünscht habe, etwas besseres finde ich in ganz Neuseeland nicht, und meine Motivation, alleine mit all diesen unglaublichen Naturwundern und -schauspielen zu sein, war vollständig konterkariert. Das hab ich auch gesagt, jedoch angekündigt, dass ich auf jeden Fall trotzdem fahren würde, da Glen auch Besuch von seinem Bruder erwartete.

Nelson Cable BayWir hatten zwei wundervolle, überirdisch zauberhafte Wochen, jeder Tag ein „Goldilock-Tag“.
Und dann hat Glen plötzlich gesagt: Antje, ich kann das nicht, das ist einfach zu viel für mich, Du mußt jetzt gehen und ich wünsche Dir eine schöne Reise. Sprach’s und verließ das Haus. Und ich hatte (und habe immernoch…) mein ganzes Herz verschenkt… Vier Tage vorher hatte Glen ein Flugticket für mich gekauft, um mich seinen erwachsenen Kindern (Tochter und Sohn) in Auckland vorzustellen, zwei Tage zuvor hatte er dazu noch gesagt, wenn ich nach Deutschland muss, um meine Sachen zu ordnen, würde er mich begleiten.

Ich bin dann nach Nelson rein gefahren mit all meinem rasch gepackten Hab und Gut, und ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich da hingekommen bin, so groß war die Schockstarre.
Kevin, der Hostelbesitzer vom AURORA, bei dem ich für vier Tage gebucht habe, hat mich bei meinem Eintreffen direkt besorgt angesehen und gesagt: ich gebe Dir das Zimmer, obwohl Du vier Tage bezahlt hast, für die ganze Woche, ich glaub das brauchst Du, auch wenn ich nicht weiß warum.

Und ob ich die Woche gebraucht habe. Obwohl mir der gute Kevin angeboten hat, gegen zwei Stunden Putzen täglich (als sogenannter Woofer, das bieten fast alle BBH Hostels an, allerdings eher den jungen Work-And-Travellern) kostenlos dort weiter zu wohnen, hatte ich das Gefühl, ich müsste dann mal wirklich los. Auch Kevins erweitertes Angebot, mich bezahlt und versicherungspflichtig fest anzustellen und mir das Management für das Housekeeping anzuvertrauen, konnten daran nichts ändern…

PostkartenfotoAlso habe ich mich am 3.3. in mein prima Auto gesetzt und bin Richtung Süden nach Kaikoura (Maori: Langustenschmaus) gedüst (Postkartenfoto), ein kleiner, allerliebster Ort an der Ostküste, wunderherrlich gelegen und mit vielen tollen Wander- und Unternehmungsmöglichkeiten. Kevin hatte für mich ein Einzelzimmer in einem Hostel namens ‚The Lazy Shag‘ (‚Der faule Vogel‘) gebucht. Nach viereinhalb Stunden Autofahrt, Serpentinen ruff, Serpentinen runter, dann die enge, einspurige Schnellstrasse durch das wunderschöne Weinanbaugebiet Marlborough, immer mit diesen riesigen LKWs im Gegenverkehr, wo man fast jedes Mal denkt, an dem komm ich doch nie vorbei… ——– war ich PLATT, trotz zweier längerer Pausen. Die Schutzengel müssen meinetwegen die letzte Stunde meiner Fahrt Verstärkung angefordert haben…

Mein Zimmer im Lazy Shag lag an einer Veranda, die über eine kleine Treppe zu erreichen war. Von der Fahrerei brannten mir fürchterlich die Augen, sodass ich gar nicht mehr gut sehen konnte, und das am hellichten Tag. Außerdem war mein Gleichgewichtssinn offenbar so gestört, dass ich dann gleich mal eine Stufe verfehlt habe und – plautz – so blöd diese Erdbeertreppe runtergefallen bin, dass ich mir die linken (!) Rippen geprellt und das rechte (!) Schienbein verletzt habe. (was sagt das den Shiatsu-Füchsen unter Euch???). Ein Glück war es kein Autounfall…

RenateAber dann hatte die gute geistige Welt gleich wieder einen besonderen Engel für mich parat: RENATE aus Stuttgart (Viele von Euch wissen: meine Mutter hieß auch Renate).
Sie ist mir sofort in der Küche aufgefallen. Eine Frau in meinem Alter, und auch allein reisend! dachte ich entzückt (Foto). Unter all dem jungen Gemüse eine extreme Seltenheit, und wenn einem mal die selbe Altersspielklasse begegnet, dann immer zu zweit oder in der Gruppe, also sozusagen als geschlossene Gesellschaft : -(

Und nun diese Begegnung, welch Balsam für die Seele! Auch Renate war mit einer Stuttgarter Reisegruppe unterwegs gewesen, doch die entpuppte sich als so unsäglich, dass sie einfach beschlossen hatte, sich das nicht anzutun und lieber alleine weiterzureisen, was jedoch auch ziemlich schnöde und sehr einsam war, wie sie mir erzählte.

Crayfish-DaveWas unser gemeinsames Alter anbelangt, hatte ich mich allerdings getäuscht: Renate ist ganze siebzig Jahre jung! Das hätte ich niemals für möglich gehalten…
Bis zu ihrer Rückreise nach Deutschland waren es nun leider nur noch drei Tage, aber diese drei Tage haben wir viel Spass gehabt und konnten uns gegenseitig ein wenig aufrichten. Danke nochmal für alles, liebe Renate!
Wir haben zusammen den Lazy Shag – Besitzer Dave beim crayfish hunting begleitet,

Ohau Springwaterfallswir haben gemeinsam die Ohau Springwaterfalls besucht (Foto), wo die Robben Ihre neugeborenen Jungen abgesondert von der restlichen Kolonie die erste Zeit behüten (leider erst ab April, doch der Ort war auch so speziell), und auch die dazugehörige Robbenkolonie ein Stückchen weiter mit dem Auto,
wir haben Renates letzten Abend prima zusammen gekocht – fangfrischen MOKI Fisch und GEBRATENEN Brokkoli a la Renata, mh, lecker!,
ja und dann war sie auch schon wieder weg ——- ein neuer Abschied…

Sunrise LodgeAm nächsten Abend, – ich war mittlerweile in ein Hostel ein paar Häuser weiter umgezogen (was günstiger und um Klassen besser war, die SUNRISE LODGE, natürlich: ein Tipp von Renate!), weil das Lazy Shag ausgebucht war -, kamen Kathrin und Dominik noch einmal zu Besuch auf Ihrem Weg zurück auf die Nordinsel. Die Beiden hatten Glen und mich auch in Atawhai auf ihrem Trip südwärts besucht und waren über Nacht geblieben, das war soooo schön!

Kaikoura-HalbinselSie wollten mich eigentlich ermuntern, ein paar Tage mit ihnen unterwegs zu sein, um auf andere Gedanken zu kommen (so lieb, danke nochmals!), doch als angeschlagener Trauerkloß ist man einfach ein schlechter Reisebegleiter. Und so sind sie dann am nächsten Tag, nach einer sehr schönen kleinen Wanderung entlang der Kaikoura-Halbinsel mit ihren Robbenkolonien, die man bei Ebbe bis auf wenige Meter ganz nah passieren kann (Fotos), ohne mich weitergereist, ——- wieder ein schwerwiegender Abschied auf lange Zeit, denn wir sehen uns wohl frühestens in Deutschland wieder. Alles Liebe Euch, ich freu mich, wenn wir voneinander hören : -)

MädelswanderungIn der Sunrise Lodge sind mir auch Nele und Bianca begegnet, zwei junge Hüpfer, die zwischen Abitur und Studium die große Reise angetreten haben, so wie die meisten hier.
Wir waren zusammen wandern (Foto), und als Nele hörte, dass mein nächstes Ziel die Marlborough Sounds seien, hat sie vorgeschlagen, ob wir nicht zusammen nach Picton fahren wollen, von wo aus die Fähren auf die Nordinsel gehen, wohin sie zurück wollte, und von wo aus sich aber auch die Sounds wundervoll erschließen lassen.

Das traf sich gut, denn meine Augen sind immer noch nicht in Ordnung und ich hatte Bammel, die Strecke alleine zu fahren. Nele hat auch nen internationalen Führerschein, hatte zuvor zusammen mit ein paar Anderen ein Auto gekauft, doch schon nach kurzer Zeit gab es Totalschaden, weil niemand sich berufen gefühlt hatte, den Ölstand nachzuprüfen.

PictonWir sind gut in Picton angekommen, haben uns die Autofahrt geteilt und das war prima so. Im Tombstone Backpacker Hostel habe ich dann zwei Nächte in einem sieben – Bett – Zimmer auf gefühlten 12 qm genächtigt, genauer gesagt VERSUCHT zu nächtigen, es war leider nichts anderes frei. Nele ist nach einer Nacht mit der Fähre nach Wellington entfleucht. Schon wieder Abschied…
Umgezogen in einen single room im Atlantis Backpackers. Ein umfunktioniertes Maori Museum, verrückter Ort in einem verrückten Bau, wo man sich ständig verlaufen hat, mit einer verrückten Hostel Besitzerin, auf deren Goldilock – Kopf ein kleiner grüner Haarreifen mit zwei langstieligen wippenden Kleeblattohren thronte, und die mit ihrem Staubsauger Henry vertrauliche Gespräche führte. Das ganze Hostel war irgendwie lustig (hab mich nicht getraut, Fotos zu machen) aber leider in einem so verranzten Zustand (dafür extrem preiswert, fast nur Abiturienten als Nutzer), dass ich gleich losgelaufen bin, um mich nach was anderem umzuschauen.

The Jugglers Rest HostelAuf Empfehlung eines deutschen Woofers in einem ausgebuchten, äußerst sympathischen Hostel namens ‚The Villa‘ bin ich dann zu einem namens ‚the Jugglers Rest‘ gelaufen, und war sofort begeistert, obwohl die überhaupt gar keine Einzelzimmer haben, ich weder zaubern noch jonglieren kann und gar nicht auf die Idee gekommen wäre, diesen Ort in Betracht zu ziehen…

Die Besitzerin Nikki und ihr Mann Bruce sind selber Künstler und organisieren auf der Südinsel viele Shows und Events, und wie das Leben so spielt, ist Nikki in Nelson mit einem Künstlerehepaar befreundet, die gerade eine(n) Mitarbeiter(in) suchen. Sie hat dort sofort angerufen und wenn ich nächste Woche wieder in Nelson bin, kann ich mich da direkt vorstellen.

Das war’s für diesmal, bitte drückt mir sämtliche Daumen und Hühneraugen, das kann ich ernstlich gebrauchen…

Alles Liebe und bis bald,

*Antje

Fünf ist Trümpf

Ihr Lieben,

am 29.01. bin ich genau einen Monat in Neuseeland, vierzehn Tage Auckland (Nordinsel) und vierzehn Tage in Christchurch (Südinsel), mit Frankfurt und Sri Lanka dann schon fast zwei Monate unterwegs (unglaublich!).

botan.-Garten ChchHier in Chch hatte ich doch noch jene Art von Empfang, wie er mir trotz meiner beinausreißerischen Bemühungen im Vorfeld von Berlin aus in Auckland nicht vergönnt gewesen ist:
ich wurde am Flughafen sehr warmherzig von Diana in Empfang genommen, die ursprünglich aus Nürnberg stammt und mit ihrem NZ-Mann, den sie in Deutschland kennen gelernt hat, ihrer dreizehnjährigen Tochter Olivia, einem Bilderbuchhund Marke Struppi in groß namens Lilli und zwei duften Katzen, Sina und Sinus, beides Glückskatzen (dreifarbig) ein Haus am Stadtrand bewohnt, zehn Minuten vom hiesigen Strand entfernt.

botan.-Garten ChchDer Kontrast zu vorher konnte kaum krasser sein: hatte ich in Auckland direkt an einer der Haupt-Verkehrs-Schlagadern der Stadt gehaust, mit Feuerwehrstation links und Polizeistation rechts vom YMCA (gefühlte alle zwei Minuten von links oder rechts oder von beiden Seiten brüllende Sirenen „ueee weee weeee weee…“, wie man das aus ‚die Strassen von San Franzisco‘ kennt) in einem handtuchschmalen Zimmer mit Gemeinschaftsküche, -Duschen und -Toiletten, werde ich hier freundlich und familiär in eine Einliegerwohnung einquartiert, die mich ganz sprachlos macht.
Vor jeder Villa parken mindestens zwei Autos, auf den Strassen ist nix los, man sieht nur Katzen und mal einen Menschen mit Hund oder umgekehrt.
Ich bekomme ein riesiges Zimmer mit Fenstern an zwei von vier Wänden, einem Ankleidezimmer, das allein doppelt so groß ist wie das Handtuch, das ich vorher bewohnt habe, einem eigenen Bad mit einer überdimensional großen Badewanne mit Whirlpoolfunktion, separater Dusche und Toilette. Wow!

Darüber hinaus bin ich noch herzlich eingeladen, an den warmen Abendmahlzeiten teilzunehmen. Allerdings bin ich über den Ablauf sehr erstaunt: man isst mit dem Teller auf den Knien auf dem Sofa vor und mit dem Fernseher! Das ist Kiwi-Style, erläutert mir Diana, doch Kiwi-Style ist auch, sagen zu dürfen: nee, schönen Dank, darf ich mich mal an den Tisch im nächsten Raum setzen, das ist dann auch kein Problem.
Diana und ihr Mann Glenn kochen abwechselnd, je nachdem wer gerade Zeit hat, es ist immer gut und lecker und neu und großartig, so umsorgt zu werden. Mein Angebot, auch mal zu kochen, wird dankend abgelehnt. Die Geschmäcker Dreizehnjähriger und auch des Hausmannes seien so eigenwillig, erklärt Diana. Habe dann andere Wege gefunden, mich zu bedanken und zu beteiligen (hoffe ich doch, liebe Diana!), obwohl die Familie nichts von mir haben wollte!

Diana und ein guter Freund von ihr, Graham, haben mir dann am nächsten Tag Chch City gezeigt, immernoch ein extremes Bild der Verwüstung, das es durch die Erdbeben 2010/11 hier gegeben hat… Ich bin sehr vorsichtig mit Fotos, weil ich oft selber denke, dass ein Abbild des Sujets das wahre Ausmaß nicht zu transportieren vermag.
Glaubt mir einfach, liebe Freunde, es ist immernoch grauenhaft!!!
Werde jedoch ab jetzt doch mehr Fotos machen, versprochen, liebe Angelika..

Dann haben mich Diana und Graham abends zum Tanzen mitgenommen, was dreimal in der Woche stattfindet, kostenlos auf Initiative mehrerer Tanzschulen hier. SALSA!

Nun ja, ich kann Freestyle, habe nur mal sporadisch mit Angelika eine Tanzschule besucht, trotzdem war das toll!

teure KirschenKaum hatte ich mich akklimatisiert, musste ich schon wieder fort, weil Dianas Familie neuen Besuch erwartete. Was jetzt?

Pünktlich dazu kam eine Mail von Carin, einer wunderbaren Frau, die 25 Jahre in NZ gelebt hat und nach Deutschland zurückgekehrt ist, und die ich in Berlin kennen lernen durfte. Sie schrieb mir: “ Treffe Christel, sie ist auch aus Deutschland und eine liebste Freundin von mir!“

teure KirschenDas haben wir gemacht, und nun befinde ich mich auf der Veranda vor Christels Haus.
Der tagsüber aufgewärmte Boden der Terrasse erwärmt meine Füße, ich freue mich unsäglich, hier sein zu dürfen! So hangele ich mich von Ast zu Ast…

Ach, noch zu den Fotos: hier habe ich die teuersten Kirschen meines Lebens gekauft (18 Dollar für ein Kilo…! Christel und ich dachten, das sei wirklich fotoreif…)

Alles Liebe,

*Antje

Nummer Vier

Ihr Lieben,
nachdem durch den Lappy-Komplettabsturz nach meiner Ankunft hier in Auckland, – und das auch noch einen Tag vor Sylvester———-, der dritte Reisebericht, den ich Euch als Neujahrsgruß schicken wollte, mit diversen anderen neueren Daten, allen Adressen und mehreren Programmen zusammen scheinbar auf nimmer Wiedersehen im Orbit verschwunden ist, ist der dritte Streich gestrichen und ich begrüße Euch im neuen Jahr hier mit Nummer vier. Das leider ziemlich spät, doch besser als gar nicht.

Kurzer Zwischenstop in SingapurDies war jetzt also eine Blitzlektion in „Wie wichtig ist permanente Datensicherung“ nach der Blitzlektion: „Wie überlebe ich ganze Wochen ohne meine Kreditkarten?“
Obwohl am 04.12. von Frankfurt aus gesperrt und neu beantragt, waren die Karten bei meinem Abflug von Sri Lanka am 28.12. noch nicht da, mein Hotel in Auckland durch die Sperrung storniert, und nur Dank Angelikas freundlichem Kreditkarteneinsatz von Deutschland aus konnte zwar um einiges teurer, doch immerhin noch nachgebucht werden, besser als auf-Strasse-stehen-mit-dreißig-Kilo-Gepäck…

Ohne Plastikgeld auch kein Aufladen der deutschen Handy SIM Karte, und natürlich auch keine Möglichkeit, mich aus dem YMCA Hostel, geschweige denn aus Auckland wegzubewegen…

Auckland_CityAuckland hat, wie vermutlich jede Großstadt der Welt, ganz spannende Ecken, aber auch viel Elend, und mit dem vielgerühmten märchenhaften Charme von Neuseeland so wenig zu tun wie Giraffen mit Kartoffelkäfern.
Wie in Berlin gibt es unglaublich viele Bettler, nur dass sie hier wie die einheimischsten unter den Einheimischen anmuten (also Maoris oder andere indigene Erstsiedlerabkömmlinge), die meisten zu dieser Ferienzeit Sichtbaren ganz offensichtlich mit schwerwiegenden psychischen – , Alkohol und sonstwas-für-Drogen behaftet, während die Anderen ja alle gerade auf Sommerurlaub sind… Ein Bild des Verlustes und der Verlorenheit, Desorientierung, so traurig.
Ansonsten Milliausen von Touristen, die alle mit der Stadtkarte in der Hand oder ihrem Handy ihren Weg suchen, so wie ich nun auch…
Nee, das habe ich mir doch anders vorgestellt…

Dominik in DevonportIch habe hier allerdings eine so wundervolle Hilfsbereitschaft erfahren, die in Berlin wohl eher höchst selten, wenn überhaupt, vorkommt: Im Hostel begegnete ich einem jungen bayrischen Ehepaar, Kathrin und Dominik, die mich sozusagen ‚an die Hand‘ genommen und mir in stundenlanger Kleinarbeit bis spät in die Nacht hinein die ersten Kommunikationsprogramme auf dem Laptop neu installiert haben;
in der hiesigen öffentlichen Bibliothek hat sich danach ein Mitarbeiter namensTodd tagelang und meist ausschliesslich der Problemlösung mit meinem Lappy gewidmet (mit entsprechendem Erfolg!), sonst könnte ich jetzt nicht an Euch schreiben und ich hätte sicherlich hunderte von Dollars für professionelle Hilfe ausgeben müssen.

Auckl_von_Faehre_DevonportFerner finde ich noch äußerst bemerkenswert – um flugs mal ein anderes Thema zu streifen – dass es außer den hiesigen Vogelarten, die ich nicht kenne, hömmele ömmele Spatzen ( sogar windstärkenerprobte Beach-Spatzen), Amseln, Stare und gemeine Stadttauben gibt, wie bei uns zu Hause. – die sind immer wie kleine Grüße aus der Heimat.

Als dann (nach fünf Wochen!) Gott sei Dank doch noch die neuen Kreditkarten im YMCA dank Nachschickung aus Sri Lanka eintrafen und wundersamerweise fast gleichzeitig auch die allermeisten meiner Kontaktadressen wieder aufgetaucht waren, bin ich sekündlich mit dem frisch abgehobenen Geld ins nächste Reisebüro gestürmt und habe für den 14.01. einen Flug nach Christchurch auf die Südinsel gebucht.
Da ich von dort nach meiner nun ermöglichten Meldung eine Einladung erhalten hatte, ein paar Tage im Haus einer deutsch-neuseeländischen Familie zu verbringen, um mich in Ruhe und mit Unterstützung weiter zu orientieren, konnte ich es kaum erwarten, WIRKLICH, – also auch gefühlt – in Neuseeland anzukommen.
Das ist nun auch gelungen! Bericht folgt in ‚Fünf ist Trümpf‘!

Liebste Grüße und Umärmelung,

Antje

Zweiter Streich

Long Beach CottageMeine zweite Station auf Sri Lanka, ebenso an der Westküste und nur etwa 20 Km von der ersten Station Beruwela entfernt, heißt Long Beach Cottage und liegt in einem winzig kleinen Küstenort namens Induruwa (gesprochen, als hätte man ca 25 Kaugummis auf einmal im Mund, sonst versteht einen niemand!).

Hannelore aus Bonn und Pinsiri Yajasundara führen das Gästehaus direkt am Strand seit 1982 und haben ganz nebenbei noch zwei Söhne großgezogen (die leben beide in Deutschland). Fünf einfache Zimmer mit fließend kalt Wasser und Ventilator, sehr preiswert, dafür alle Zimmer mit Ozeanblick und -rauschen, drei davon im ersten Stock mit Gemeinschaftsveranda (hübsch und sehr kommunikativ, wie die kleine Meerblick-Restaurant-Terrasse im Erdgeschoss auch). Hannelore und offensichtlich auch Freunde des Hauses nennen und rufen den recht kleinen und bis auf ein Bäuchlein auch zierlichen Pinsiri „Pinscho“ : -/

AbendstimmungDrei Hausangestellte, die ihresgleichen hinsichtlich Aufmerksamkeit, Fleiß und hingebungsvollem Bemühen um jeden Gast wohl schwerlich woanders finden lassen, versüßen einem hier das Leben und beschenken einen bei jeder Begegnung mit einem zauberhaften Lächeln: der Koch (laufender Meter, Mückengewicht, mit den windschiefsten Zähnen, aber auch dem weltschönsten Lächeln, daher wohl der Name Sunny, gerade vor 6 Tagen 50 Jahre alt geworden), der Gärtner (langes Mückengewicht, mit Brille, was hier total selten ist, sicher über 50, aber immer auf Zack, mit unaussprechlichem Namen) und der Chauffeur ———— nein nein, nicht zu viel Miss Marple, es ist nur, wie Hannelore ihn vorgestellt hat, „unser Mädchen für alles“ mit Namen Damey (alle rufen ihn ‚Dummy‘, ein hübscher, für Sri Lanka Verhältnisse großer und stattlicher junger Mann, 25 Jahre alt, seit 3 Jahren im Dienst der Familie, überaus bescheiden und stets schon damit zu einem unterwegs, worum man ihn gerade bitten wollte).

Alle drei arbeiten von 05.30 Uhr morgens bis nicht selten 0.00 Uhr nachts in sechs-Tage-Woche; freiwillig arbeiten sie vier Wochen durch, um dann vier Tage am Stück zu ihren Familien fahren zu können.

Ich evoziere schon gleich zu Beginn meines Aufenthaltes einen „Tomaten-Skandal“.
Man könne den Kühlschrank mitbenutzen, falls man etwas habe, was der Kühlung bedarf, informiert mich Hannelore.

Ich studiere die Speisekarte. Trinkwasser mehr als doppelt so teuer wie im Laden, keine alkoholischen Getränke. Ich bestelle zur Erfrischung eine Mango Frucht, doch es gibt gerade keine Mango.

Bus fahren in Sri LankaIch fahre mit dem Bus (für umgerechnet 10 Cent) zum nächstgrößeren Ort mit Supermarkt, kaufe Mangos, Avocados, Käse, ein Pfund prächtig aussehende Tomaten, dunkles Brot (Long Beach hat nur weißes), Wasser.
Bier kann man nur in sogenannten Liquid Wine Stores erwerben (etwa alle 2,5 Km einer), denn dafür braucht es eine staatliche Lizenz. Auf dem Rückweg werde ich auch diesbezüglich fündig.

Sunny hilft mir, die Sachen im Kühlschrank zu verstauen, ich bin sehr beglückt und zufrieden.

Später komme ich vom Strand, der von einem allerliebsten, Schatten spendenden Mangroven und Palmen Wäldchen umsäumt ist und bin äußerst guter Dinge. Ein Paradies! Da werde ich von Hannelore ‚gestellt‘:

Warum ich nicht gefragt hätte, sie würden auch Bier verkaufen! Dies stünde nur nicht auf der Karte, denn sie hätten keine Lizenz.

Strand in Sri LankaDas konnte ich nicht ahnen, sage ich, aber nun weiß ich ja Bescheid. Ja, und Früchte hätten sie doch auch! Aber keine Mangos, denn danach hatte ich gefragt! antworte ich in vollem Rechts-Bewusstsein. Na und, sagt Hannelore, Papaya sei doch auch lecker, und die hätten sie! Und überhaupt, TOMATEN! Ich erkläre ihr, dass ich Tomaten liebe und so begeistert war, welche zu entdecken, dass ich nicht widerstehen konnte… Aber Tomaten stehen in der Karte UND sind auch da! schnaubt Hannelore wütend und entschwindet.

Schnell habe ich im Long Beach angenehmste Bekanntschaft gemacht mit meinen Mitgästen. Paola und Giorgio aus Italien, Boa aus Indien, Elli und Beate aus der Schweiz, Helmut und Susi aus Reutlingen, eine sympathische bunte Mischung. Sie alle erzählen mir nach und nach amüsiert von der Geschichte mit dem Tomatenskandal, den sie alle ‚serviert‘ bekommen haben; und versichern mir, auch sie würden Obst, Gemüse und Getränke immer draußen in den Läden kaufen, hätten das Kühlschrankangebot jedoch lieber nicht angenommen.

Ich zeige Reue in meinem gasthäuslichen Bestellverhalten und schwupps————- ist der Hausfrieden wiederhergestellt.

Bus fahren in Sri LankaJeden Tag fahre ich alleine mit dem Bus in die nächste Stadt Alutgama und zurück, um groß, stark und furchtlos zu werden, denn so gut wie immer bin ich das einzige Bleichgesicht. Bus kostet umgerechnet wie gesagt 10 Cent für die Strecke, die anderen Touri‘s nehmen lieber die Tuk Tuks, in denen sie für knapp zwei Euro dieselbe Strecke exklusiv befördert werden.
Am dritten Tag habe ich die 17 Rupies nicht passend, sondern nur einen 50 Rs Schein. Der Cashman nimmt den Schein und geht weiter, auch auf dem Rückweg keine Wechselgeldallüren. Ich gehe hin und bitte um mein Wechselgeld. Daraufhin gibt er dem Fahrer ein Zeichen, auf offener Strecke anzuhalten, zeigt mit dem Finger zum Ausgang und sagt so was wie „raus hier“ auf singhalesisch.

Da steh ich nun. Beschließe zu laufen. Auf der anderen Seite bald ein Polizist, der so viele Motorräder wie möglich anhält und sich von allen verstört dreinblickenden Fahrern die Papiere zeigen lässt.

Ich gehe zu ihm hin und frage nach der nächste Bushaltestelle. What happened, will er wissen und setzt eine höchst professionelle Miene auf.

oder Tuk Tuk fahren in Sri LankaIch erzähle den kleinen Vorfall und er sagt no problem lady, wait a minute. Ich denk, was macht er jetzt, holt er sein Motorrad? Aber nein. Angesichts eines in irrem Tempo herannahenden Busses prescht er wie eine Spinne an der Beute-Leine auf diesen zu, deutet gebieterisch mit dem Zeigefinger auf den Asphalt vor sich ——- und der Bus kommt mit quietschenden Reifen zwei Zentimeter vor seiner rausgeklappten Schuhspitze zum Stehen. Drei Worte zum Cashman, und der Bus fährt mit mir weiter. Cashman hält die Hand auf, wieder habe ich nur 50 Rs.

Die steckt er in sein riesiges Bündel loser Scheine, woran man jeden Cashman erkennt, zupft geschickt und pfeilschnell eine Art Buket aus bunten Scheinen zurecht, drückt mir selbiges in die Hand und geht weiter. Ich zähle nach: 50 Rs, in kleinen Scheinen….

Der Bus hält dafür auch noch exklusiv direkt am Eingang vom Long Beach.

So, das reicht erst mal wieder für den zweiten Streich, obwohl es ja sooooviel zu erzählen gibt……..

Ayubowan und auf bald,

Start und erste Woche

nun ist die erste Woche Sri Lanka um. Im „Stenogrammstil“ wie es mir bisher ergangen ist.

4.12.2014
Habe es nicht geschafft, meine Wohnung rechtzeitig unter zu vermieten, da sich niemand von den vielen Interessenten auf ein Jahr festlegen wollte.
Statt mit dem guten Gefühl, wirklich ALLES erledigt zu haben, starte ich in Begleitung einer zwei Tage vor dem LOS eingefangenen Rüsselseuche, die es in sich hat, und bin dadurch genötigt, alles irgendwie in slow Motion hinzubekommen. Kurz vorher gab es schon einen Hexenschuss als ‚Vorwarnung‘, der mich ebenso zwei Tage lang regelrecht ausgebremst hatte.

Abfahrt vom HauptbahnhofBei dem gebuchten Rail and Fly (mein Flug geht von Frankfurt) gibt es keine Zugbindung, was sich jetzt als Gnade erweist. Habe mir für den 4.12. (allerletzter Drücker) 12.34 ausgeguckt, zur Not noch 13- zur allerletzten Not 14.34 Uhr. Da erst morgens um sieben am 4. Ins Bett, entscheide ich mich gleich für den Zug um 13.34 Uhr und informiere meine Freundin Angelika (Frühaufsteherin) vor dem Schlafengehen, da sie sich liebster weise angeboten hat, mich zum Hauptbahnhof zu fahren.
Auf dem Weg im Auto böse Überraschung: der Tunnel zum Hauptbahnhof komplett gesperrt, man muss ganz außen rum fahren, wir stecken im Stau. Adé Zug Nummer zwei.
Zug Nummer drei, planmäßige Abfahrt 14.34 Uhr, in dem ich dann, von Angelika bewunken, losrumpele (ja, es gibt merkwürdige Geräusche), wird statt schneller immer langsamer… – Wegen eines technischen Defekts. Der erlaubt denn auch keine schnellere Geschwindigkeit als 140 km/h, weswegen wir mit über einstündiger Verspätung in Frankfurt eintreffen.

Der Regionalzug nach Michelsstadt, wo mich ein Freund (Joachim) erwartet, ist seit drei Minuten weg, der nächste kommt in zwei Stunden. Ab Darmstadt geht noch ne Bimmel-bahn vorher, also nix wie nach Darmstadt. Gefühlter Kopfumfang mittlerweile etwa ein Meter.
Als Fels in der Brandung und mit angenehmster heiterer Gelassenheit erwartet mich Joachim nach 22.00 in Michelsstadt am Bahnhof und nimmt mich in Empfang. Brüht mir wohltuenden Ingwertee und lauscht geduldig meiner schniefenden Verstimmung über diesen seltsamen Start.

Nachts um zwölf, Joachim hat sich längst zurückgezogen, ich gepäckstückele noch, eine SMS von meinem Bruder Thomas (lebt in Frankreich in der Ardeche): „Bin im Sauerland, Treffen vor Deinem Abflug morgen möglich“.

5.12.2014: Zustand schlichtweg desolat. Joachim ist zur Arbeit, mein Bruder klingelt und spaziert herein. Große Freude, jedoch kaum Würdigung meinerseits, denn: Meine Kreditkarten verschwunden! Alles Gepäck umgekrempelt, es bleibt dabei. Sperrung und gleich Neu-Beantragung, rasch und hurtig, Vernichtung aller Zugangsdaten. Mittagessen mit Joachim und Thomas. Ich denke nur darüber nach, wo die Kreditkarten auf der Strecke geblieben sein könnten… Mein Kopf ein großer, schmerzender Wattebausch.
Nach der Abreise von Thomas schnell noch ein Anti-Erkältungsbad. Dazu natürlich Entledigung aller am Körper befindlichen Bekleidungs- und Sicherheitstaschen mit meinem Ausweis, dem Bargeld und ————— ja genau: und meinen KREDITKARTEN! : -(

Emirates-FliegerJoachim bringt mich zum Flughafen, ich laufe hinter ihm her wie ein ferngesteuerter Roboter… Ohne ihn hätte ich in diesem Zustand mein Flug-gate wohl nie gefunden, denn dieses ganze Areal ist so abartig riesig! 20.15 soll Emirates nach Dubai starten, doch wir haben schon vorab eine halbe Stunde Verspätung.

Vorgebuchter Fensterplatz unmöglich, mein Kopf hat die Reichweite einer ganzen Reihe. Das Personal ist besorgt, misst Fieber (erhöhte Temperatur) und gewährt mir einen Platz mit Beinfreiheit, Auslauf und Toilettennähe am Notausgang! Trotzdem bekomme ich die ganzen zehn Flugstunden kein Auge zu.

Landung in Dubai mit einer knappen Stunde Aufenthalt wegen der Verspätung. Kopfschmerz unerträglich, Ohren dicht, Schmerzmittel im Hauptgepäck.

Beim Einstieg zum Flug nach Colombo bekomme ich Paracetamol und eine ganze Sitzreihe für mich allein, da nicht ausgebucht. Ich kann mich hinlegen und schlafe sofort ein.

Als ich aufwache, geht es mir viel besser (erst mal).

Ich werde tatsächlich abgeholt: ANJE steht auf dem Schild. Knapp drei Stunden Autofahrt für dreißig Kilometer von Colombo nach Beruluwa wegen Rush Hour, bei der ich immer wieder einschlafe, statt das Neue aufnehmen zu können, und dann bin ich endlich in meiner ersten Sri Lanka Unterkunft direkt am indischen Ozean. Den kann ich gerade mal mit meinen Füßen begrüßen, dann noch rasch irgendwie ins Internet und eine kurze „anjekommen – Nachricht versendet, und noch irgendwas gegessen, und schnell ins Bett.

Hot Ypsilon BeruwelaDas Ypsilon Guesthouse erkunde ich am nächsten Morgen. Schöne Anlage, fast alle Zimmer mit großen Balkons zum Meer und einem lauschigen Restaurant direkt am Strand. Sonst alles so, wie ich es NICHT mag. Alles hinter dicken Mauern mit eisernem Tor, von mürrisch dreinblickendem Sicherheitspersonal bewacht.

Innen drin Deutsche, Deutsche und Deutsche, dann noch ein paar Holländer und, wenn ich mich nicht verhört habe, Russen.

Nach zwei Tagen, trotz traumhaftem Strand, akute Gefahr von Lagerkoller. Dazu ein verheerendes Schnorchelerlebnis: nicht ein einziger Fisch, aber eine geschätzte Million von kleinen und kleinsten Plasikstückchen bis hin zu ganzen Plastiktüten, Plastikseilen etc.. Obwohl ich drei Tage gebucht habe, checke ich den Tag darauf in der Frühe aus und lasse mich und mein massiges Jahresgepäck mit dem Tuk-Tuk (dreirädrige Motorradrikscha, gibt es hier wie Sand am Meer) zwanzig Kilometer weiter nach Induruwa zum „Long Beach Cottage“ der Deutsch-Sri Lankischen Familie Yajasundara fahren – für umgerechnet 2.30€.

Mehr in der nächsten Mail,

Ayubowan,