Nummer Vier

Ihr Lieben,
nachdem durch den Lappy-Komplettabsturz nach meiner Ankunft hier in Auckland, – und das auch noch einen Tag vor Sylvester———-, der dritte Reisebericht, den ich Euch als Neujahrsgruß schicken wollte, mit diversen anderen neueren Daten, allen Adressen und mehreren Programmen zusammen scheinbar auf nimmer Wiedersehen im Orbit verschwunden ist, ist der dritte Streich gestrichen und ich begrüße Euch im neuen Jahr hier mit Nummer vier. Das leider ziemlich spät, doch besser als gar nicht.

Kurzer Zwischenstop in SingapurDies war jetzt also eine Blitzlektion in „Wie wichtig ist permanente Datensicherung“ nach der Blitzlektion: „Wie überlebe ich ganze Wochen ohne meine Kreditkarten?“
Obwohl am 04.12. von Frankfurt aus gesperrt und neu beantragt, waren die Karten bei meinem Abflug von Sri Lanka am 28.12. noch nicht da, mein Hotel in Auckland durch die Sperrung storniert, und nur Dank Angelikas freundlichem Kreditkarteneinsatz von Deutschland aus konnte zwar um einiges teurer, doch immerhin noch nachgebucht werden, besser als auf-Strasse-stehen-mit-dreißig-Kilo-Gepäck…

Ohne Plastikgeld auch kein Aufladen der deutschen Handy SIM Karte, und natürlich auch keine Möglichkeit, mich aus dem YMCA Hostel, geschweige denn aus Auckland wegzubewegen…

Auckland_CityAuckland hat, wie vermutlich jede Großstadt der Welt, ganz spannende Ecken, aber auch viel Elend, und mit dem vielgerühmten märchenhaften Charme von Neuseeland so wenig zu tun wie Giraffen mit Kartoffelkäfern.
Wie in Berlin gibt es unglaublich viele Bettler, nur dass sie hier wie die einheimischsten unter den Einheimischen anmuten (also Maoris oder andere indigene Erstsiedlerabkömmlinge), die meisten zu dieser Ferienzeit Sichtbaren ganz offensichtlich mit schwerwiegenden psychischen – , Alkohol und sonstwas-für-Drogen behaftet, während die Anderen ja alle gerade auf Sommerurlaub sind… Ein Bild des Verlustes und der Verlorenheit, Desorientierung, so traurig.
Ansonsten Milliausen von Touristen, die alle mit der Stadtkarte in der Hand oder ihrem Handy ihren Weg suchen, so wie ich nun auch…
Nee, das habe ich mir doch anders vorgestellt…

Dominik in DevonportIch habe hier allerdings eine so wundervolle Hilfsbereitschaft erfahren, die in Berlin wohl eher höchst selten, wenn überhaupt, vorkommt: Im Hostel begegnete ich einem jungen bayrischen Ehepaar, Kathrin und Dominik, die mich sozusagen ‚an die Hand‘ genommen und mir in stundenlanger Kleinarbeit bis spät in die Nacht hinein die ersten Kommunikationsprogramme auf dem Laptop neu installiert haben;
in der hiesigen öffentlichen Bibliothek hat sich danach ein Mitarbeiter namensTodd tagelang und meist ausschliesslich der Problemlösung mit meinem Lappy gewidmet (mit entsprechendem Erfolg!), sonst könnte ich jetzt nicht an Euch schreiben und ich hätte sicherlich hunderte von Dollars für professionelle Hilfe ausgeben müssen.

Auckl_von_Faehre_DevonportFerner finde ich noch äußerst bemerkenswert – um flugs mal ein anderes Thema zu streifen – dass es außer den hiesigen Vogelarten, die ich nicht kenne, hömmele ömmele Spatzen ( sogar windstärkenerprobte Beach-Spatzen), Amseln, Stare und gemeine Stadttauben gibt, wie bei uns zu Hause. – die sind immer wie kleine Grüße aus der Heimat.

Als dann (nach fünf Wochen!) Gott sei Dank doch noch die neuen Kreditkarten im YMCA dank Nachschickung aus Sri Lanka eintrafen und wundersamerweise fast gleichzeitig auch die allermeisten meiner Kontaktadressen wieder aufgetaucht waren, bin ich sekündlich mit dem frisch abgehobenen Geld ins nächste Reisebüro gestürmt und habe für den 14.01. einen Flug nach Christchurch auf die Südinsel gebucht.
Da ich von dort nach meiner nun ermöglichten Meldung eine Einladung erhalten hatte, ein paar Tage im Haus einer deutsch-neuseeländischen Familie zu verbringen, um mich in Ruhe und mit Unterstützung weiter zu orientieren, konnte ich es kaum erwarten, WIRKLICH, – also auch gefühlt – in Neuseeland anzukommen.
Das ist nun auch gelungen! Bericht folgt in ‚Fünf ist Trümpf‘!

Liebste Grüße und Umärmelung,

Antje