Sechstagerennen

Ihr Lieben,

jetzt habe ich sehr lange von mir weder hören noch sehen lassen, was mir auch sehr peinlich ist. Doch die Ereignisse haben sich hier – ganz neuseeländisch – quasi überschlagen.

Ich habe mich verliebt. Unsäglich und gleich zwiefach. Die eine Liebe wächst, die andere ruht nun. Beides auf einmal war auch einfach zu heftig, zumal ich alles in einen Topf geworfen habe und nicht in der Lage war, das auseinander zu klamüsern.

Ich versuche mal wieder, mich kurz zu fassen, mal sehen wie weit ich komme…

GlenChristel, zu sehen in fünf ist Trümpf, hat mich in in Christchurch ihrem Ex Lebensgefährten vorgestellt, der gerade geschäftlich dort war, – GLEN (Foto).
Ich habe mich auf den ersten Blick total verliebt, und das ist mir das erste und letzte Mal mit vierzehn passiert…
Glen lebt in Nelson (im Norden der Südinsel) und hat mich spontan zu sich eingeladen (Der Ort mit den meisten Sonnenstunden in ganz Neuseeland).
Es war wie im Märchen.

Ausblick vom HausGlen bewohnt ein Haus auf einem Hügel am Stadtrand von Nelson in einem Ort namens Atawhai (Maori: behalten, bewahren) mit Blick auf den pazifischen Ozean (Foto). Er arbeitet an der hiesigen Universität, ist ein sehr gebildeter, sensibler und charismatischer Mann, macht selber Kunst und hat einen äußerst guten Musikgeschmack (finde ich).

Abel Tasman Nationalpark Cable Bay

Er hat mir die wunderschönsten Orte hier gezeigt, den Abel Tasman, Golden Bay, Takaka Hills…(Fotos), – das wirkliche Neuseeland wurde mir da plötzlich zu Füßen gelegt, und dies teilen zu dürfen mit einem anderen Menschen: sensationell….

Wer mag, schaut sich das mal auf der Karte oder dem Globus und vielleicht sogar im Internet an; es ist wirklich das aufregendste und inspirierendste, was ich an Natur bisher erlebt habe. Ja und dann natürlich auch noch: Sommer, Sonne, phantastische Sternenhimmel…

AutoGlen hat mir auch geholfen, ein Auto zu kaufen (Foto), denn ich wollte ja noch die ganze Südinsel selbstständig bereisen, doch auf einmal dachte ich: das, was ich in Nelson gefunden habe, ist exakt das, was ich mir erträumt und gewünscht habe, etwas besseres finde ich in ganz Neuseeland nicht, und meine Motivation, alleine mit all diesen unglaublichen Naturwundern und -schauspielen zu sein, war vollständig konterkariert. Das hab ich auch gesagt, jedoch angekündigt, dass ich auf jeden Fall trotzdem fahren würde, da Glen auch Besuch von seinem Bruder erwartete.

Nelson Cable BayWir hatten zwei wundervolle, überirdisch zauberhafte Wochen, jeder Tag ein „Goldilock-Tag“.
Und dann hat Glen plötzlich gesagt: Antje, ich kann das nicht, das ist einfach zu viel für mich, Du mußt jetzt gehen und ich wünsche Dir eine schöne Reise. Sprach’s und verließ das Haus. Und ich hatte (und habe immernoch…) mein ganzes Herz verschenkt… Vier Tage vorher hatte Glen ein Flugticket für mich gekauft, um mich seinen erwachsenen Kindern (Tochter und Sohn) in Auckland vorzustellen, zwei Tage zuvor hatte er dazu noch gesagt, wenn ich nach Deutschland muss, um meine Sachen zu ordnen, würde er mich begleiten.

Ich bin dann nach Nelson rein gefahren mit all meinem rasch gepackten Hab und Gut, und ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich da hingekommen bin, so groß war die Schockstarre.
Kevin, der Hostelbesitzer vom AURORA, bei dem ich für vier Tage gebucht habe, hat mich bei meinem Eintreffen direkt besorgt angesehen und gesagt: ich gebe Dir das Zimmer, obwohl Du vier Tage bezahlt hast, für die ganze Woche, ich glaub das brauchst Du, auch wenn ich nicht weiß warum.

Und ob ich die Woche gebraucht habe. Obwohl mir der gute Kevin angeboten hat, gegen zwei Stunden Putzen täglich (als sogenannter Woofer, das bieten fast alle BBH Hostels an, allerdings eher den jungen Work-And-Travellern) kostenlos dort weiter zu wohnen, hatte ich das Gefühl, ich müsste dann mal wirklich los. Auch Kevins erweitertes Angebot, mich bezahlt und versicherungspflichtig fest anzustellen und mir das Management für das Housekeeping anzuvertrauen, konnten daran nichts ändern…

PostkartenfotoAlso habe ich mich am 3.3. in mein prima Auto gesetzt und bin Richtung Süden nach Kaikoura (Maori: Langustenschmaus) gedüst (Postkartenfoto), ein kleiner, allerliebster Ort an der Ostküste, wunderherrlich gelegen und mit vielen tollen Wander- und Unternehmungsmöglichkeiten. Kevin hatte für mich ein Einzelzimmer in einem Hostel namens ‚The Lazy Shag‘ (‚Der faule Vogel‘) gebucht. Nach viereinhalb Stunden Autofahrt, Serpentinen ruff, Serpentinen runter, dann die enge, einspurige Schnellstrasse durch das wunderschöne Weinanbaugebiet Marlborough, immer mit diesen riesigen LKWs im Gegenverkehr, wo man fast jedes Mal denkt, an dem komm ich doch nie vorbei… ——– war ich PLATT, trotz zweier längerer Pausen. Die Schutzengel müssen meinetwegen die letzte Stunde meiner Fahrt Verstärkung angefordert haben…

Mein Zimmer im Lazy Shag lag an einer Veranda, die über eine kleine Treppe zu erreichen war. Von der Fahrerei brannten mir fürchterlich die Augen, sodass ich gar nicht mehr gut sehen konnte, und das am hellichten Tag. Außerdem war mein Gleichgewichtssinn offenbar so gestört, dass ich dann gleich mal eine Stufe verfehlt habe und – plautz – so blöd diese Erdbeertreppe runtergefallen bin, dass ich mir die linken (!) Rippen geprellt und das rechte (!) Schienbein verletzt habe. (was sagt das den Shiatsu-Füchsen unter Euch???). Ein Glück war es kein Autounfall…

RenateAber dann hatte die gute geistige Welt gleich wieder einen besonderen Engel für mich parat: RENATE aus Stuttgart (Viele von Euch wissen: meine Mutter hieß auch Renate).
Sie ist mir sofort in der Küche aufgefallen. Eine Frau in meinem Alter, und auch allein reisend! dachte ich entzückt (Foto). Unter all dem jungen Gemüse eine extreme Seltenheit, und wenn einem mal die selbe Altersspielklasse begegnet, dann immer zu zweit oder in der Gruppe, also sozusagen als geschlossene Gesellschaft : -(

Und nun diese Begegnung, welch Balsam für die Seele! Auch Renate war mit einer Stuttgarter Reisegruppe unterwegs gewesen, doch die entpuppte sich als so unsäglich, dass sie einfach beschlossen hatte, sich das nicht anzutun und lieber alleine weiterzureisen, was jedoch auch ziemlich schnöde und sehr einsam war, wie sie mir erzählte.

Crayfish-DaveWas unser gemeinsames Alter anbelangt, hatte ich mich allerdings getäuscht: Renate ist ganze siebzig Jahre jung! Das hätte ich niemals für möglich gehalten…
Bis zu ihrer Rückreise nach Deutschland waren es nun leider nur noch drei Tage, aber diese drei Tage haben wir viel Spass gehabt und konnten uns gegenseitig ein wenig aufrichten. Danke nochmal für alles, liebe Renate!
Wir haben zusammen den Lazy Shag – Besitzer Dave beim crayfish hunting begleitet,

Ohau Springwaterfallswir haben gemeinsam die Ohau Springwaterfalls besucht (Foto), wo die Robben Ihre neugeborenen Jungen abgesondert von der restlichen Kolonie die erste Zeit behüten (leider erst ab April, doch der Ort war auch so speziell), und auch die dazugehörige Robbenkolonie ein Stückchen weiter mit dem Auto,
wir haben Renates letzten Abend prima zusammen gekocht – fangfrischen MOKI Fisch und GEBRATENEN Brokkoli a la Renata, mh, lecker!,
ja und dann war sie auch schon wieder weg ——- ein neuer Abschied…

Sunrise LodgeAm nächsten Abend, – ich war mittlerweile in ein Hostel ein paar Häuser weiter umgezogen (was günstiger und um Klassen besser war, die SUNRISE LODGE, natürlich: ein Tipp von Renate!), weil das Lazy Shag ausgebucht war -, kamen Kathrin und Dominik noch einmal zu Besuch auf Ihrem Weg zurück auf die Nordinsel. Die Beiden hatten Glen und mich auch in Atawhai auf ihrem Trip südwärts besucht und waren über Nacht geblieben, das war soooo schön!

Kaikoura-HalbinselSie wollten mich eigentlich ermuntern, ein paar Tage mit ihnen unterwegs zu sein, um auf andere Gedanken zu kommen (so lieb, danke nochmals!), doch als angeschlagener Trauerkloß ist man einfach ein schlechter Reisebegleiter. Und so sind sie dann am nächsten Tag, nach einer sehr schönen kleinen Wanderung entlang der Kaikoura-Halbinsel mit ihren Robbenkolonien, die man bei Ebbe bis auf wenige Meter ganz nah passieren kann (Fotos), ohne mich weitergereist, ——- wieder ein schwerwiegender Abschied auf lange Zeit, denn wir sehen uns wohl frühestens in Deutschland wieder. Alles Liebe Euch, ich freu mich, wenn wir voneinander hören : -)

MädelswanderungIn der Sunrise Lodge sind mir auch Nele und Bianca begegnet, zwei junge Hüpfer, die zwischen Abitur und Studium die große Reise angetreten haben, so wie die meisten hier.
Wir waren zusammen wandern (Foto), und als Nele hörte, dass mein nächstes Ziel die Marlborough Sounds seien, hat sie vorgeschlagen, ob wir nicht zusammen nach Picton fahren wollen, von wo aus die Fähren auf die Nordinsel gehen, wohin sie zurück wollte, und von wo aus sich aber auch die Sounds wundervoll erschließen lassen.

Das traf sich gut, denn meine Augen sind immer noch nicht in Ordnung und ich hatte Bammel, die Strecke alleine zu fahren. Nele hat auch nen internationalen Führerschein, hatte zuvor zusammen mit ein paar Anderen ein Auto gekauft, doch schon nach kurzer Zeit gab es Totalschaden, weil niemand sich berufen gefühlt hatte, den Ölstand nachzuprüfen.

PictonWir sind gut in Picton angekommen, haben uns die Autofahrt geteilt und das war prima so. Im Tombstone Backpacker Hostel habe ich dann zwei Nächte in einem sieben – Bett – Zimmer auf gefühlten 12 qm genächtigt, genauer gesagt VERSUCHT zu nächtigen, es war leider nichts anderes frei. Nele ist nach einer Nacht mit der Fähre nach Wellington entfleucht. Schon wieder Abschied…
Umgezogen in einen single room im Atlantis Backpackers. Ein umfunktioniertes Maori Museum, verrückter Ort in einem verrückten Bau, wo man sich ständig verlaufen hat, mit einer verrückten Hostel Besitzerin, auf deren Goldilock – Kopf ein kleiner grüner Haarreifen mit zwei langstieligen wippenden Kleeblattohren thronte, und die mit ihrem Staubsauger Henry vertrauliche Gespräche führte. Das ganze Hostel war irgendwie lustig (hab mich nicht getraut, Fotos zu machen) aber leider in einem so verranzten Zustand (dafür extrem preiswert, fast nur Abiturienten als Nutzer), dass ich gleich losgelaufen bin, um mich nach was anderem umzuschauen.

The Jugglers Rest HostelAuf Empfehlung eines deutschen Woofers in einem ausgebuchten, äußerst sympathischen Hostel namens ‚The Villa‘ bin ich dann zu einem namens ‚the Jugglers Rest‘ gelaufen, und war sofort begeistert, obwohl die überhaupt gar keine Einzelzimmer haben, ich weder zaubern noch jonglieren kann und gar nicht auf die Idee gekommen wäre, diesen Ort in Betracht zu ziehen…

Die Besitzerin Nikki und ihr Mann Bruce sind selber Künstler und organisieren auf der Südinsel viele Shows und Events, und wie das Leben so spielt, ist Nikki in Nelson mit einem Künstlerehepaar befreundet, die gerade eine(n) Mitarbeiter(in) suchen. Sie hat dort sofort angerufen und wenn ich nächste Woche wieder in Nelson bin, kann ich mich da direkt vorstellen.

Das war’s für diesmal, bitte drückt mir sämtliche Daumen und Hühneraugen, das kann ich ernstlich gebrauchen…

Alles Liebe und bis bald,

*Antje