Achterbahn

Ihr Lieben,

es ist ja schon wieder sooo viel passiert in der Zwischenzeit (hab ja auch lang nix mehr geschrieben, weil ich in Nelson kein Internet hatte…), sodass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.Katja

Also ich bin seit dem 06.05.15 zurück auf der Nordinsel und schreibe Euch aus Auckland, wo ich am 11.05. meine erste ‚eigene‘ Wohnung bezogen habe. Die teile ich mit Katja, 22, aus Nürnberg, was total schön ist, viel schöner, als alleine herumzudümpeln; und natürlich noch viel viel schöner als im Hostel sein zu müssen…

 

Adresse: Antje Krull (hier gibts keinen Umlaut)
und dann siehe gaaanz unten.
Falls mir jemand mal ne Ansichtskarte schicken möchte : -)

Aber erstmal zurück nach Nelson:

Villa in der Shelbourne StAlso in der Villa in der Shelbourne St, in der ich mit dem Kiwi Duncan (mit alten schottischen Wurzeln, Verzeihung bitte, wenn ich ihn vorher als Schotten bezeichnet habe!) und der samoanischen Prinzessin Kaisarina zusammen gewohnt habe, durfte ich nach der ersten verschnarchten Nacht wegen suppentellergroßen Augenringen (aus Schlafmangel, auch Duncan hörte das Schnorcheln von Kai bis in seinen Raum am anderen Ende des Flurs) in ein eigenes Zimmer ziehen, das eigentlich Minthy gehört, seiner ältesten Tochter. Die ist jedoch nur ganz selten zu Besuch. Oben links die Fenster zu meinem Zimmer, daneben das Atelier.

 

Villa oben Minthys (my) roomDa gab es dann schon den ersten Knatsch mit der Prinzessin (ohne Scheiß, sie ist wirklich eine!!!), weil Kaisarina bei ihrer Ankunft im zugigen Atelierzimmer einquartiert worden war, da die Zimmer der Töchter nicht fremdbewohnt werden sollten, – hätte ihr damals der Hausherr erklärt. Ich wußte von gar nix.
Dass ich nun durfte, war für sie, klar wie Kloßbrühe: ein eindeutig rassistischer Akt!

Und meine dankbare Einwilligung zum Zimmerwechsel der Beweis meiner ebensolchen Gesinnung.

Villa in der Shelbourne St
Auch mein Vorschlag, ich würde im Atelier bleiben und sie könne sehr gerne in das Prinzessinnenzimmer wechseln (es ist eins, mit einem zauberhaften Blick in den wunderschönen Garten) konnte an dem neuen Stempel nichts ändern und wurde mürrisch abgelehnt.

Ich muss gestehen, dass auch mir ab und an aufgefallen ist, dass Duncan sich mir gegenüber irgendwie anders verhielt.
Das hatte jedoch mit Sicherheit keine rassistischen Gründe. Er hatte sie ohne zu zögern genau wie mich aufgenommen und es war ihm sehr offensichtlich ganz wurscht, was ihre oder meine Wurzeln sind.

Doch Kay (so nennt er sie) redet halt sehr gern und sehr viel und hat auch echt jederzeit ne Menge zu erzählen.
Duncan dagegen liebt die Stille. Sodass die beiden fast immer separat waren / gespeist haben.

Villa in der Shelbourne StNun war ich da, und Kaisarina sah mich und Duncan gemeinsam am Frühstückstisch.
Er hatte sich einfach zu mir gesetzt, seinen Toast und Tee verklappt und seine Zeitung gelesen.
Wir haben kein Wort gewechselt; es war eine stille Art des Einverständnisses, was ich nicht kapiert oder als ungewöhnlich hätte bemerken können, wenn Kay mir nicht erzählt hätte, dass er sonst immer für sich ist.
Auch das erzeugte bei ihr Verstimmung.

Naja, und dann habe ich auch noch gezögert, der Prinzessin Geld zu leihen, da sie auf mein ursprüngliches Angebot hin selbst sagte, sie wüsste nicht, ob und wann sie es zurückzahlen könnte.

Sie ist verbittert ausgezogen, einen Tag vor meiner eigenen Abreise, ohne sich zu verabschieden.
Ich hoffe, dass es ihr gut geht.

In der Zwischenzeit hatte ich mehrere Treffen mit Glen.
Hatte ihm gesagt, dass ich auch nach Auckland gehen will, wenn er dorthin umzieht. – Obwohl mir die Stadt am Anfang so überhaupt nicht gefallen hat, wie Ihr ja wisst..

Glen meinte: mach das, aber jeder von uns macht sein eigenes Ding. Ich kann Dir aber dann die Orte dort zeigen, die ich liebe (hat schon vorher viele Jahre in Akl gelebt).

Bin dann an seinem Geburtstag mit dem Flug, den er damals für mich gebucht hatte, um mich seiner Familie vorzustellen , für die Woche, die er ursprünglich für uns geplant hatte, nach Akl geflogen, um Wohnung zu suchen. Hab ich ihm aber nicht gesagt.
Glen hatte sein Ticket von der Universität umgebucht bekommen, ein paar Tage vorverlegt, sodass keine Gefahr bestand, ihm zu begegnen.

Übers Internet hatte ich nämlich schon nach WGs geschaut —- und war entsetzt über die Preise
: -O Nichts unter 200$ die Woche, ohne Strom- und Nebenkosten. Nicht mal am äußersten Stadtrand.
Also habe ich gedacht, ich flieg da hin und versuche, über die einzige Kontaktadresse, die ich über meine frühere Berliner Chor-Mittäterin Ingrid für die City erhalten und noch nicht genutzt hatte, eine Bleibe über Privat zu bekommen, die bezahlbar wäre.
Allerdings konnte ich Ingrids Verwandte nicht erreichen : -(

Sollte ich in der Woche nichts finden, müsste ich im mittlerweile eisig kalten Nelson bleiben, soviel war klar.

City Garden LodgeIch hatte mich im zentralen Stadtteil Parnell für ziemlich teuer Geld in einem Hostel namens City Garden Lodge (rechts, sehr empfehlenswert!) eingemietet, um möglichst viel zu Fuß abklappern zu können. Außerdem war das auch mein bevorzugter Suchbezirk.
Autofahren in Auckland konnte ich mir nicht mal im Traum vorstellen. Chaotische Strassenführung, ständiger Stau und überhaupt ein radedolles Verkehrsaufkommen; UND dann noch Linksverkehr —- nee…

In der Lodge gabs ne ganze Handvoll total sympathische, clevere und kommunikative junge Frauen und einen Youngster (Yannik) aus Deutschland, mit denen ich abends zusammensass und ratschte.

Am vierten Abend, nachdem ich all die Tage wirklich nur völlig überteuerte Unsäglichkeiten besichtigt hatte, war mir komplett zum Heulen.

Paula, Claudia und Verena wollten wissen, was los ist.
Ich erwiderte, dass es so aussehen würde, dass ich mit meinem Budget wohl nix Bezahlbares zum Wohnen finden und dann nicht nach Auckland ziehen kann.
Paula und Claudia auf der Fähre nach Waiheke
Daraufhin kicherte Claudia (das Küken, krasse 19 Jahre jung) und sagte: na so was, grad gestern hat mir unser Bekannter seine Wohnung hier um die Ecke angeboten für wenig Geld. Er verbringt die hiesigen Wintermonate in Deutschland und will jemanden, der sich hier kümmert, daher die geringe Miete. Den ruf ich gleich mal an.

Andre, ein Auswanderer aus Leipzig, der schon seit 2009 hier lebt, hat sich am nächsten Tag mit mir getroffen, obwohl er Claudia gegenüber skeptisch war („50+, na ja..? : -/ „).

Aber wir waren uns dann doch gleich sympathisch —— und zwei Tage später hatte ich meinen ersten eigenen NZ Mietvertrag, juchuuuu!

RemueraRemuera grenzt an meinen Wunschbezirk Parnell und liegt noch viel weiter oben auf den      Ausläufern des Vulkanbergs MT Hobson. Der war den Maoris heilig und die Gegend wurde von ihnen hier im Norden als erstes besiedelt.
Durch die Vulkanasche war der Boden sehr fruchtbar und es wuchs dichter (Ur-)Wald, in dem hömmele ömmele leckere Vögel und anderes Getier hausten, was die Ansiedler von der Fischerei unabhängiger machte und den Speiseplan erheblich erweiterte.

Asblick RemueraVon hier oben hat man einen phantastischen Blick auf die Pazifik-Küste, die Vulkaninsel Rangitoto, den Hafen und den Stadtkern von Auckland, in das Remuera erst nach 1840 eingemeindet wurde. Und das natürlich, nachdem weiße Siedler den Maoris das ganze üppige Land für nen Appel und n Ei abgekauft oder es ihnen ganz ohne Entschädigung einfach weggenommen hatten.

Bach in unserem GartenEin gediegenes Villenviertel mit teils immer noch sehr altem Baumbestand, und einer der wenigen Innenstadt-Bezirke Akls, in dem noch Tui Vögel leben, die nicht nur wunderschön aussehen, sondern auch herzallerliebst singen (täglicher Ohrenschmaus…).
Und hier hab ich nun ausgerechnet die einzige bezahlbare Wohnung gefunden : -)
In einer Villa Baujahr 1997.
Landlord PaulOben wohnt der Landlord (Hausbesitzer) Paul, 1951 aus Holland nach NZ gesiedelt, 89 Jahre jung und sehr charmant; unten wohnen Katja und ich.
Vor meinem Doppel!-Fenster fließt ein Bach, der dem MT Hobson entspringt (24 Stunden
Ohrenschmaus) und alles rein wäscht (mich hoffentlich auch).

Latzikatz Remuera

Und ne Latzikatz haben wir auch (ausgesetzt von Nachbarn, die weggezogen sind…)

Also mit dem Mietvertrag in der Tasche zurück nach Nelson, mein Auto und meine Sachen holen.

Im selben Flieger —– saß Glen, obwohl er mir vorher erzählt hatte, die Universität hätte auch seinen Rückflug umgebucht. Und das allerseltsamste: er hatte den Platz neben mir, obwohl ich getrennt automatisch eingecheckt hatte —– und schien überhaupt nicht erstaunt zu sein, mich zu sehen.
Wir haben viel gelacht und ich war froh, meine erfolgreichen Neuigkeiten erzählen zu können; er hat mich mit seinem Taxi vom Nelson Airport noch mitgenommen zu Duncan’s Villa und gesagt, dass wir uns auf jeden Fall vor meinem Umzug nach Auckland treffen sollten.

Ha’m wir auch gemacht.
Boulder BankEine Wanderung über die sogenannte Boulder Bank, die Nelson vorgelagert ist. Ein persönlicher Besuch der Aussicht, die man von Glen’s Haus aus den vorderen Zimmern hat, was er sich immer vorgenommen hatte, doch bisher nicht realisiert hatte.

Ein natürlicher steinerner Deich, über Jahrtausende entstanden, der den rauhen Pazifischen Ozean schutzhaft in ein ruhiges, seenhaftes Gewässer vor den Toren der Stadt verwandelt. Hier der Anfang der kilometerweiten Geröllstrasse durch das Meer, und ganz da hinten kuschelt Nelson.

Hach, natürlich bin ich sofort wieder dahingeschmolzen (nein, hab ich versucht, nicht zu zeigen, doch man sieht mir ja alles immer an)…

Zwei Tage später sollte der Umzug losgehen. Doch wie nur von A nach Z kommen? Meine Augen haben sich seit Kaikoura nicht verbessert, also brauchte ich jemanden, der mein Auto und mich mitbewegt.

Irina_aus_BerlinÜber Internetportale, in denen ich gepostet habe, hat mich Irina gefunden. Backpackerin aus Berlin. Will auch nach Wellington (1. Station von Nelson mit Fähre zur Nordinsel).
Wir sitzen bereits im Auto auf dem Weg zur Fähre und erzählen. Woher aus Berlin? Zehlendorf. Und Du? Auch. Ah, welche Schule? Schadow. Und Du? Auch! Mhm. Welcher Lehrer? Suda… Wir haben so gelacht!
Irina ist 25 Jahre alt, studiert Medizin.
Lieber Uwe, eine von Dir immer noch begeisterte Schülerin hat mich nach Wellington gefahren!

In Welli war das Wetter unsäglich. —- nicht nur windy Welli, was man ja überall lesen kann und vorher weiß —- sondern very wet and very very windy Welli! Innerhalb einer Minute war man komplett durchnässt, weil: Regenschirm zwecklos.
Also mal wieder in die trockene… BIBLIOTHEK.

RicardaAuf dem weiteren Weg haben wir Ricarda eingesammelt, die ich ja in Picton kennengelernt hatte und die nicht so sehr weit weg von Welli im Krankenhaus als Ärztin arbeitet und in Tauranga am nächsten Tag auf eine Party wollte. Sie ist vom Tongariro Nationalpark, wo wir Irina und ihren französischen Mitwanderer abgesetzt haben, mit mir weitergefahren.
Die Nordinsel, von der ich bislang ja so wenig gesehen habe, mit dem Auto zu durchqueren, war schon ganz wunderherrlich, zumal ich ja nicht fahren musste. Nicht so wild wie die Südinsel, doch auch sehr bezaubernd… – Hinter jeder Kurve sieht es anders aus.
Nach zehn Stunden Autofahrt, davon zwei bereits in absoluter Stockfinsternis (hier gibt es keine Autobahnbeleuchtung) und Dauerregen war mir dann alles zuviel, selbst als Beifahrer.
Also sind wir in Rotorua (bekannt für seine heißen Schwefelquellen) in ein Hostel gegangen, in dem Ricarda schon mal übernachtet hatte. Zu sehen war bis auf Dampfgeschwader allüberall nix von den Quellen (war ja dunkel), doch wer den eindringlichen Geruch von faulen Eiern liebt (ich ja nich so
: -/ ) musste sich hier gleich zu Hause fühlen.

Über whats app hat sich rausgestellt, dass Paula und Claudia ebenfalls übers Wochenende in Rotorua weilten, und so haben wir uns flugs noch nachts um 11.00 auf ein Bier in einer Bar getroffen (meine erste in NZ!).
Wir mit langen Hosen und Wetterjacke, weil 12°C und Regen, klar.
Nicht so die NZ Girlies! Nackte Beine, offene High Heels und das ganz besonders kleine Schwarze, Weiße oder Bunte, gerne noch mit Ausschnitt bis zum großen Zeh . Und damit draussen sitzen. Wir haben nicht schlecht gestaunt.

Um 2.00 nachts lag ich im Hostelbett. Um 6.00 morgens hat mich Ricarda geweckt, die so schnell wie möglich zu ihrer Freundin nach Tauranga wollte.
Da sind wir um 8.00 wohlbehalten angekommen.

TAURANGA

Meine erste Adresse von Berlin aus. Ich glaub, ich muss jetzt mal stoppen, sonst denkt Ihr noch, Ihr hört nie wieder von mir…

Seid herzlich umärmelt,

*Antje

Antje Krüll
Zen Shiatsu
19B Shera Rd
1050 Remuera Auckland
New Zealand