Neunmalklug

Ihr Lieben,

ist mir peinlich, dass der Blog so schleppend geht; – aber immerhin besser als gar nicht : -)

U-Bahn Plan gesamt

In NZ geht alles viel langsamer. Die Wege sind immens, der Verkehr hier in Akl eine einzige Verstopfung, deswegen (und aus schon besagten anderen Gründen) lasse ich das eigene Auto meistens lieber stehen. Die Öffentlichen fahren NIE(!) nach Plan und häufiger auch gar nicht. Rechts sieht man übrigens das gesamte Bahnnetz (drei Linien!!!!) für diese gigantische Stadt!

Mal gibts keinen Strom, dann doch wieder, dafür geht dann kein Internet…

Das einzige, was daher gefühlt noch schneller (ver)geht als anderswo: Die ZEIT.

Genau. Und ich war mit Achterbahn stehengeblieben in Tauranga.

Da war es noch Herbst (schnüff) und super Wetter. Schönster Sonnenschein und freundliche 20° begrüßten Ricarda und mich am Tag unserer Ankunft. Eine kleine Stadt an der Ostküste der Nordinsel, etwa zwei Autostunden von meinem nächsten Ziel Auckland entfernt.

Über den Bibelkreis, den ich in Berlin die letzten Monate vor meiner Abreise sehr begeistert besucht hatte, war die erste von den wenigen Adressen, die ich für NZ vorab erhaschen konnte, die einer christlichen Organisation.
Ursprünglich Ende der siebziger Jahre in Holland gegeründet, um die aufkommende Punk – Bewegung mit wilden Konzerten zu christianisieren (- was für eine Idee! Schon allein das ein Grund, sich da mal näher umzuschauen : -) ), sind sie mittlerweile an vielen Orten der Welt vertreten und haben 2014 ein Zentrum in Neuseeland, Tauranga, neu eröffnet mit Schwerpunkt ‚junge Backpacker‘, wie mir ein ebenfalls junger Bibelkreis-Teinehmer erklärte.
Und gab mir die Adresse, denn die würden sicherlich Bedarf an christlich orientierten und erfahrenen Sozialarbeitern haben…
Rieeeeeesiger Internet – Auftritt!
War sehr angetan, da wollte ich hin.

Schon von Berlin aus mehrmals hingeschrieben ——– nie eine Antwort erhalten.

Nun standen wir da, Ricarda und ich, direkt vor der angegebenen Adresse.
Von Zentrum keine Spur, nur ein zweistöckiges Wohnhaus : -( in der teuersten Gegend fast direkt am Strand.
Klingelschild Kontrolle, eigentlich wollten wir schon kapitulieren: YEAAAH! Man muss sich nur hinein
steiger.’n org.’inell, sag ich Euch ; -) da guckst Du, oder?…

Zugegeben, es war halb neun morgens. Da haben wir keinen Empfang mit großem Tam Tam erwartet.
Die Treppen heruntergeschlurft kam eine (natürlich!) junge benachthemdete muttihafte Erscheinung, öffnete die Glastür und sagte „Ja?“
„Guten Morgen“ antworteten wir im Choral, ich erklärte rasch wieso und weshalb wir hier waren und ob wir denn hereinkommen dürften in die freundliche Herberge?
Wir durften, nach kurzem Zögern.
Zappenduster dort, abgerantzte Möbel in der ‚Lounge‘, Muftibus all arround und seltsame Stimmung. Durch eine halb offene Tür konnte man ein düsteres Zimmer mit Mehrstockbetten sehen, alle anderen Räume waren geschlossen.

Ich erklärte mein Anliegen, dass nach Sichtung ihrer Internetseite ich sehr gerne eine Zeit lang als Sozialarbeiterin für diese Organisation arbeiten würde und gerne einen Termin für ein offizielles Vorstellungsgespräch ausmachen würde. Außerdem bedürfe ich für die nächsten zwei Nächte einer Unterkunft, danach müsste ich erstmal weiter nach Auckland.

Da müsse sie sich bei der hiesigen Leitung informieren war die Antwort. Die sei grad außer Haus und sie selbst nicht befugt, Termine zu machen oder Entscheidungen zu treffen. Sie würde mich dann per Textmessage wissen lassen, wenn sie eine Weisung erhalten habe. Sie wünsche uns einen schönen Tag.

Huch, was war das denn gewesen? Wieder draußen, schauten Ricarda und ich uns nur an.

Blick vom Mt. MaunganuiAlso schnappten wir uns mein Auto und fuhren zum Mt Maunganui, dem hiesigen Vulkanberg. Den sind wir ächzend hochgestiegen (wirklich sehr steil!) und wurden mit einem zauberhaften Ausblick belohnt! Ricarda hat auf dem Gipfel dann auch ihre Party-Group getroffen.

Ich bin später in ein Hostel eingecheckt. Da Ricarda nach Hamilton in ihr Krankenhaus zurückkehren mußte, würde ich jemanden suchen müssen, der/die mit mir zusammen die restliche Strecke nach Akl fährt.
Das habe ich meine neue Flatmate Katja per Whats App wissen lassen, damit sie wissen würde, wann in etwa ich ankomme. Und sie schrieb zurück: kein Problem, ich hole Dich morgen ab. Eine Freundin von mir hat in Tauranga zu tun, die nimmt mich mit.

Von jener christlichen com.nz hatte ich nach vier Stunden ne sms. Sie würden einmal in der Woche ein öffentliches Essen veranstalten, das nächste sei in fünf Tagen. Daran könne ich gerne teilnehmen. Sonst könnten sie leider nichts für mich tun.

Tauranga Walkway
Zufällig war noch Karo von unserer NZ Group ebenfalls in Tauranga. Wir haben uns verabredet und sind einen wundeschönen gemeinsamen walkway gegangen.

Ja, und dann ging’s am nächsten Tag ab nach Auckland mit Katja!

Ich bin sehr glücklich darüber, diese Wohnung in der Konstellation mit Katja gefunden zu haben. Das ist mehr als Gold wert…

Bach im GartenSchon ein paar Tage nach meinem Einzug hier hatte ich meinen 55. Geburtstag. DasWetter war so schön spätsommerlich, dass die abendliche Geburtstagsrunde mit Katja und den Mädels aus der City Garden Lodge überwiegend draussen stattfinden konnte, neben diesem so wundervollen Bach und seinem Gesäusel : -) Später kam noch Paul, unser Landlord dazu und als es zu kalt wurde, hat er uns noch alle zu sich in seine schöne warme Wohnung im ersten Stock eingeladen.
Doch irgendwie war ich nicht ganz froh: Kein Geburtstagsgruß von Glen…

Glen„Unsere Erwartungen sind verschieden. Ich wünsche Dir ein schönes weiteres Leben, jeder sollte seinen eigenen Weg gehen“ war wenig später seine letzte Nachricht.

BANG BANG, MY BABY SHOT ME DOWN.
(THIRD TIME. NOT AS CLOSE AS BEFORE, NOW FROM A DISTANCE)

Im Nachhinein betrachtet denke ich, er hatte einfach nicht die Traute, mir klipp und klar zu sagen: komm lieber nicht nach Auckland, ich will sowieso keinen Kontakt mehr. Mehr als einmal sollte man sich sowieso nicht erschießen lassen…

Ich habe mir einfach von A bis Z selbst ein X für ein U vorgemacht.

Nun, jetzt bin ich hier, wo ich eigentlich nicht wieder hin wollte, mit Mietvertrag und all meinem Geraffel und es nützt kein Hadern und kein Zauseln. Gott sei Dank habe ich nun ein zu Hause und stehe nicht noch auf der Strasse.
Natürlich ging es mir trotzdem sofort körperlich so schlecht, wie ich es nach Schicksalsschlägen nicht anders kannte… Das volle Programm, sogar um noch einige ‚Neuigkeiten‘ erweitert… : -(
Doch wie sagt Frank Hirsch immer so schön:“Nur die Harten komm’n in’n Garten“.

Antje in Auckland im WinterAuckland im WinterAuckland im Winter

Antje in Auckland im Winter

Und getreu meinem eigenen jahrzentelangem Credo nichts ist so schlecht, dass es nicht wieder für etwas gut ist fing sofort die Denkerchenmaschinerie an zu arbeiten: jetzt nur nicht sich selbst aufgeben! Ist doch nur n Mann! Sofort gesunde Struktur suchen! Arbeit! Leute! Aktivitäten!

Aber wo anfangen?
Ich fragte die Tochter des Landlords, die ihren verwitweten Vater jedes Wochenende besucht.
„Geh zur bezirklichen Bürgerberatung, die haben hier im reichen Remuera nix zu tun und nehmen sich richtig Zeit“ riet sie.
Um Leute kennenzulernen und meiner Ohnmacht etwas entgegenzusetzen, hatte ich mir überlegt, außer nach Arbeit auch nach einem Chor und einer Tanzgruppe zu suchen, wie ich sie beglückender Weise in Berlin letztes Jahr im Nachbarschaftsheim Schöneberg gefunden hatte.
(Kudret! Liebste Tanzgruppe! Seid herzlichst umärmelt und geknuddelt!)

Danach fragte ich die wirklich emsige Sozialarbeiterin vom Remuera citizen advice bureau, wo ich überaus freundlich und wohlwollend empfangen wurde, wie Andrea es mir angekündigt hatte.
Nach anderthalb Stunden (!) kam ich mit diversesten Broschüren aller möglichen kirchlichen und gemeinnützigen Organisationen und einem Haufen Webseitenadressen, die die Internet-Recherche zusätzlich ergeben hatte, dort herausspaziert, von einem goldigen Hoffnungschimmer innerlich erleuchtet.

Beim benachbarten Parnell Community Centre, einer der empfohlenen Adressen, sprach ich Tage später wegen der dort angebotenen Tanzgruppe und einem Chor vor, unter anderem, weil ich hier niemanden kenne und Gemeinschaft suche.
Mmmh sagte die freundliche Sekretärin, die ihr Gespräch mit einer am Empfangstresen lehnenden, silberweißkurzhaarigen Lady und offenbar Kollegin, unterbrochen hatte.
Die Tanzgruppe startet für das dritte Quartal Ende Juli und hat noch Plätze frei. Einen Chor haben wir leider nicht.
Toll, dass Du hergekommen bist sagte die Silberfüchsin. Gib mir mal Deine Email-, ich sende Dir Choradressen. Mein Name ist Debbie, wie ist Deiner, nice to meet you!

Flugs darauf die Email von Debbie: ‚Choirs for you and lunch?‘

Oh, welche Begeisterung!

Dem wundervollen Lunch folgte eine Einladung zu anderen Aktivitäten ein paar Tage später: erst zu Debbie nach Hause. Spektakulär! Sie wohnt mit ihrer Lebensgefährtin in einem unglaublichen Haus im reichen Westen Aucklands, oben aufm Vulkanberg mit Blick auf den pazifischen Ozean und die City… Der Wahnsinn. KarikaturIhre Freundin ist eine derbekanntesten Karikaturistinnen NZs (links), die unter anderem in der größten Tageszeitung, dem Herald, veröffentlicht. Wir sind dann gemeinsam zu einer großen Ausstellungseröffnung gefahren, wo es neben sehr lustigen Exponaten auch Sushi und leckeren Wein gab. Als krönenden Abschluss wurde ich von Debbie in ihren Chor zum Singen mitgenommen. Nur der Tag mit Kathrin und Dominik in Devonport ganz am Anfang war sooo schön (was Auckland anbelangt)…

Was hier wirklich schwer zu finden ist: gut bezahlte Arbeit.
SteingesichtDaher habe ich beschlossen: ich schreibe jetzt mein Kinderbuch weiter, dessen Expose´ über fünfzehn Jahre in meinem Schrank rumgedümpelt hat. Das hat mir Angelika hinterhergeschickt, und die Zeit wollte ich mir schon immer nehmen, doch das ging nie…
Wenn das Geld alle ist und das Buch immer noch nicht fertig, hab ich Pech gehabt. Für Ideen suche ich Inspiration in der Natur und lasse mich von ihren vielfältigen ‚Gesichtern‘ und weisen Nasen begeistern.

Portrait eines FantailsHier noch ein von mir handgedengeltes Portrait eines Fantails, wirklich sehr lustige kleine Piepmätze, die immer menschliche Nähe suchen (in Nelson sind sie sogar ständig durchs Haus geflogen, weil immer alle Fenster offen waren) und einem jederzeit etwas vorturnen, was gerade bei Traurigkeitsanfällen sehr beglückend ist…

So, das sind die Neuigkeiten. Jetzt fehlt noch der Start der Tanzgruppe, und dann wird das schon.

Liebste NZ Grüße!

*Antje