Zehntausendgüldenkraut

Ihr Lieben,

Frühlingsgefühlees ist schon der Wahnsinn, wie die Zeit dahin rast! Jetzt wohne ich schon zweieinhalb Monate in Auckland, und es wird Frühling! Dabei habe ich noch nicht mal die Winterbilder eingestellt…  
Es gibt auch gar nicht mal so viel zu erzählen diesmal. Bis vor zwei Wochen waren hier Winterferien. Alles pausierte. Mein endlich gefundener Chor, die Tanzgruppe.

Ich sitze halt viel vorm Lappy und schreibe am Kinderbuch  –  so ziemlich das Einzige, was echt langsam geht : -(  Aber es wird! : -)

Kinosaal des Civic CentersZwischendurch gab es hier das NZIFF, sprich: New Zealand International Film Festival. Dort bin ich natürlich erwartungsfroh hingesprungen. Allerdings hat das, wie ich dann feststellen musste, so gar nix zu tun mit dem, was wir in Europa unter Filmfestivals verstehen… Es gibt keinen Wettbewerb, keine Weltpremieren und so’n Spökes. Keinen Film Market und keine Nachwuchssektion. Hier der Kinosaal des Civic Centers aus den 20er Jahren… Einriiiiiesiger Saal – sehr imposant.

Man hat einfach größtenteils alles Mögliche zusammengeklaubt, was erfolgreich im Jahresverlauf auf anderen Filmfestspielen der Welt gelaufen ist, noch eine Neuseeland und eine Maori – Sektion hinzuaddiert, und gut isses!

Um genügend Schütte aus dem Aufwand zu holen, tourt das ganze Spektakel dann quer durch NZ. Auckland durfte den Reigen nur eröffnen : -)

Zumindest einen Film hab ich mir dann doch angeschaut. Nicht, weil er mir beim Studieren des Katalogs als so herausragend aufgefallen wäre (hätte mir am liebsten einen Maori-Film angeschaut, doch das kriege ich auch noch hin), sondern weil er zur passenden Zeit im passenden Kino gelaufen ist. Er hatte jedoch tatsächlich ein „Alleinstellungs-Merkmal“, was mir jedoch erst hinterher aufgefallen ist.

Im Katalog war zu lesen, dass das Auswahlkomitee diesen Film ganz zuletzt in das Programm mit aufgenommen hat, weil sie so beeindruckt waren, vor allem von den schauspielerischen Leistungen. Dies ist tatsächlich der einzige Film der gesamten internationalen Sektion, den sie sich ‚getraut‘ haben, zu zeigen, ohne dass er vorher auf einem anderen Festival gelaufen und ausgezeichnet worden ist (zumindest dem Katalog nach):  

KatalogausschnittINHERENT VICE     USA 2014     149 mins

Screenplay: Paul Thomas Anderson. Based on a novel by Thomas Pynchon

With: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio del Toro, Jena Malone

Und ich muss sagen: ich war (und bin) schwer beeindruckt!

Dieser Mister Phoenix ist einfach ein… (Alb hier!)Traum!

Maske, Kostüm, Ausstattung —– vom Feinsten. Selbst der Dreck unter den Fingernägeln wurde nicht vergessen… Und man konnte dem Werk ansehen, was für einen immensen Spass die während der Dreharbeiten gehabt haben müssen! Ich liebe solche Filme!

DebbieHolzhausDann war ich mit Debbie vom Parnell Community Center in ihrer Mittagspause auf Sightseeing-Tour dieses Stadtteils. Ihr erinnert Euch an Debbie? Ich hatte sie vor zwei Monaten kennen gelernt.
Es ist sooo toll, von einem ‚Einheimischen‘ die Gegend gezeigt zu bekommen!

  

Sodann war ich mit Lois, die ich auch in einem Chor kennen gelernt habe, in der Art Gallery. Sonderausstellung: WUNDERRUMA. Das U von RUMA hat eigentlich einen Strich darüber, aber ich weiß nicht, wie man das macht…

SchmuckstückEin Kiwi-Goldschmied (Warwick Freeman) und ein ebensolcher Deutscher (Karl Fritsch) haben sich zusammengefunden, um eine Ausstellung zu machen über zeitgenössischen neuseeländischen Schmuck. Ruma mit Strich über dem U heißt Raum, na und Wunder kennt Ihr ja alle : -) Wonderworld!   

SchmuckstückeDie vielsagendsten – und für mich bedeutensten Exponate waren jedoch die, die diese beiden Curatoren aus schon bestehenden NZ- Sammlungen rekrutiert haben. Zeitlose Dinge!

Was ‚contemporary‘ anbelangt, so hat mich nur ein Exponat wirklich berührt. – Und zwar so, dass ich es (leider!) nicht fotografiert (-graphiert? geshootet? abjelichtet?)  habe aus tatsächlicher Betroffenheit:

Ein Kasten mit toten echten Fliegen. Jede Fliege war individuell angemalt. Mit Öl, Acryl, Aquarell (hat nicht so gut aufgetragen…), allem Möglichen. Puh! Wie kommt man denn da drauf???

Ah ja, und dann hatten meine Mitbewohnerin Kat und ich noch einen Ausflug nach Northland, bei Whangarei (dreieinhalb Stunden Drive from Akl), weil ich ja dachte, ich sollte einen Ort finden, wo ich mehr spirituelle Unterstützung für mein Buch finden könnte. An der Ostküste.

Große Enttäuschung! Für mich sah’s da oben aus wie in Bayern, für Kat mehr wie Schottland, (wo ich noch nie war…), denn in Schotti haben die wohl die gleichen Zäune wie in dieser Region ( Vulkanischer Felsstein).

Und die Frau des deutschen Ehepaares, die dort ein Backpacker-Hostel mit viel Landbesitz drumrum betreiben und ein kleines Cottage gegen stundenweise Mitarbeit auf dem Gut zur Verfügung stellen, wofür ich mich beworben hatte und mit der wir eine feste Verabredung hatten, erwartete uns schon auf dem Parkplatz vor dem Gutshaus, um mir ohne Willkommensgruß mitzuteilen, dass sie das Cottage jetzt schon anderweitig vermietet hätten. Obwohl wir den weiten Weg gemacht haben, – sie mir keine Benachrichtigung hat zukommen lassen -, hat sie uns noch nicht mal ein Glas Wasser angeboten : -(

Auch wenigstens eine kleine Besichtigung ihrer Farm lehnte sie kategorisch ab. Stattdessen standen wir geschlagene anderthalb Stunden auf diesem Parkplatz und sie erzählte, wieviel Gastfreundschaft sie auf ihren Fernreisen vor der Auswanderung kennen gelernt hätte und dass sie deswegen aus Deutschland weg sind. Heidewitzka. Deutsche Gastfreundschaft und Gemütlichkeit…

Wasserfall bei WhangareiDoch getreu meinem Euch allen wohlbekannten Motto: Nichts ist so schlecht, dass es nicht doch wiederum für was gut ist, —– war das natürlich auch hier so : -)
Wir haben dann einen nahegelegenen Wasserfall besucht  

vor der Glühwürmchenhöhlevor der Glühwürmchenhöhleund eine Glühwürmchenhöhle, in die wir uns aber ganz allein nicht reingetraut haben : -(  

Kat und ich haben über Tipps von unseren Backpacker-Freunden aus der City Garden Lodge hier in Akl einen schönen Tipp für ein Hostel in Whangarei erhalten: The Cell Block. Ehemaliges Gefängnis von North Land, direkt gegenüber einer riesigen Polizeistation, die uns doch für diese verlassene Gegend etwas überdimensioniert erschien. Aber nein: Das Gefängnis war zu klein geworden für all die Straftäter in Northland; deswegen musste ein Neues her.

Der alte Block drohte zu verfallen, bis ein australisches Auswanderer-Ehepaar ihn entdeckt, gekauft und liebevoll renoviert hat. Das Interieur wurde so belassen (man muss wirklich die Zellentür hinter sich schließen), die Fenster sind nach wie vor vergittert. Es ist so frisch, dass die Besitzer noch gar keine Zeit hatten, es großartig zu bewerben.

Es war ausgebucht, mitten im Winter!

Die Inhaber gaben uns allerdings eine allerliebste Führung (nee, ich hab keine eigenen Fotos gemacht, war mir wieder mal zu peinlich…) gegeben und uns dann noch ein anderes, auch wundervolles Hostel empfohlenen, wo wir bestens untergekommen sind.

Hungrig wie die Raubkatzen sind wir dann auf die Jagd nach Essbahrem in Whangarei durchgestartet. Wir hatten keine Lust, im Hostel selbst zu kochen, obwohl wir alles Erforderliche dafür mitgenommen hatten. Kaum ein Mensch auf der Strasse. Nur ein scheinbar völlig durchgeknallter, blonder, barfüßiger Backpacker (10° Celsius!) mit Gitarre und ein paar heimatlos wirkende, jedoch sehr stylisch gekleidete Maori-Jugendliche mit ner Menge leerer Bierflaschen um sich rum, die uns angebettelt und nach Erfolglosigkeit wüstens beschimpft haben.

Tja, und dann kam da so ein einladend aussehendes japanisches Restaurant. Da sind Kat und ich reingehoppt. Die Raumgestaltung war extrem japanisch. Der Koch auch.

Zu unserer großen Überraschung war die Musik jedoch: meine Youngster-Musik… Rod Steward rauf und runter! Von „The First Cut Is The Deepest“ bis „Ease My Hunger Ease My Pain“, wo er bei einer Life- Aufnahme eines Konzertes, gesehen auf N-TV vor -zig Jahren, herzzerbrechend selbst in Tränen ausgebrochen ist, war alles dabei : -)

Das Sashimi war excellent und auch Katja war mit ihrem Huhn an….. weiß- nicht-mehr-was … ebenfalls beglückt.

Als wir dann nach Remuera zurück gekommen sind, war mein Gefühl, ich könne hier nicht gut schreiben, vollkommen verflogen :::: —-))))

Ich habe hier den besten Platz überhaupt und das Schreiben klappt prima. Leider muss ich mich mich nur immer wieder entscheiden: WORAN?

Posterledigung, Recherche, Blog schreiben kostet mich schon soviel Zeit, dass ich echt mit geröteten Augen da sitze und nicht weiß, wie ich’s mit meinem Buch machen soll…

Alles alles Liebe Euch!

*Antje