Start und erste Woche

nun ist die erste Woche Sri Lanka um. Im „Stenogrammstil“ wie es mir bisher ergangen ist.

4.12.2014
Habe es nicht geschafft, meine Wohnung rechtzeitig unter zu vermieten, da sich niemand von den vielen Interessenten auf ein Jahr festlegen wollte.
Statt mit dem guten Gefühl, wirklich ALLES erledigt zu haben, starte ich in Begleitung einer zwei Tage vor dem LOS eingefangenen Rüsselseuche, die es in sich hat, und bin dadurch genötigt, alles irgendwie in slow Motion hinzubekommen. Kurz vorher gab es schon einen Hexenschuss als ‚Vorwarnung‘, der mich ebenso zwei Tage lang regelrecht ausgebremst hatte.

Abfahrt vom HauptbahnhofBei dem gebuchten Rail and Fly (mein Flug geht von Frankfurt) gibt es keine Zugbindung, was sich jetzt als Gnade erweist. Habe mir für den 4.12. (allerletzter Drücker) 12.34 ausgeguckt, zur Not noch 13- zur allerletzten Not 14.34 Uhr. Da erst morgens um sieben am 4. Ins Bett, entscheide ich mich gleich für den Zug um 13.34 Uhr und informiere meine Freundin Angelika (Frühaufsteherin) vor dem Schlafengehen, da sie sich liebster weise angeboten hat, mich zum Hauptbahnhof zu fahren.
Auf dem Weg im Auto böse Überraschung: der Tunnel zum Hauptbahnhof komplett gesperrt, man muss ganz außen rum fahren, wir stecken im Stau. Adé Zug Nummer zwei.
Zug Nummer drei, planmäßige Abfahrt 14.34 Uhr, in dem ich dann, von Angelika bewunken, losrumpele (ja, es gibt merkwürdige Geräusche), wird statt schneller immer langsamer… – Wegen eines technischen Defekts. Der erlaubt denn auch keine schnellere Geschwindigkeit als 140 km/h, weswegen wir mit über einstündiger Verspätung in Frankfurt eintreffen.

Der Regionalzug nach Michelsstadt, wo mich ein Freund (Joachim) erwartet, ist seit drei Minuten weg, der nächste kommt in zwei Stunden. Ab Darmstadt geht noch ne Bimmel-bahn vorher, also nix wie nach Darmstadt. Gefühlter Kopfumfang mittlerweile etwa ein Meter.
Als Fels in der Brandung und mit angenehmster heiterer Gelassenheit erwartet mich Joachim nach 22.00 in Michelsstadt am Bahnhof und nimmt mich in Empfang. Brüht mir wohltuenden Ingwertee und lauscht geduldig meiner schniefenden Verstimmung über diesen seltsamen Start.

Nachts um zwölf, Joachim hat sich längst zurückgezogen, ich gepäckstückele noch, eine SMS von meinem Bruder Thomas (lebt in Frankreich in der Ardeche): „Bin im Sauerland, Treffen vor Deinem Abflug morgen möglich“.

5.12.2014: Zustand schlichtweg desolat. Joachim ist zur Arbeit, mein Bruder klingelt und spaziert herein. Große Freude, jedoch kaum Würdigung meinerseits, denn: Meine Kreditkarten verschwunden! Alles Gepäck umgekrempelt, es bleibt dabei. Sperrung und gleich Neu-Beantragung, rasch und hurtig, Vernichtung aller Zugangsdaten. Mittagessen mit Joachim und Thomas. Ich denke nur darüber nach, wo die Kreditkarten auf der Strecke geblieben sein könnten… Mein Kopf ein großer, schmerzender Wattebausch.
Nach der Abreise von Thomas schnell noch ein Anti-Erkältungsbad. Dazu natürlich Entledigung aller am Körper befindlichen Bekleidungs- und Sicherheitstaschen mit meinem Ausweis, dem Bargeld und ————— ja genau: und meinen KREDITKARTEN! : -(

Emirates-FliegerJoachim bringt mich zum Flughafen, ich laufe hinter ihm her wie ein ferngesteuerter Roboter… Ohne ihn hätte ich in diesem Zustand mein Flug-gate wohl nie gefunden, denn dieses ganze Areal ist so abartig riesig! 20.15 soll Emirates nach Dubai starten, doch wir haben schon vorab eine halbe Stunde Verspätung.

Vorgebuchter Fensterplatz unmöglich, mein Kopf hat die Reichweite einer ganzen Reihe. Das Personal ist besorgt, misst Fieber (erhöhte Temperatur) und gewährt mir einen Platz mit Beinfreiheit, Auslauf und Toilettennähe am Notausgang! Trotzdem bekomme ich die ganzen zehn Flugstunden kein Auge zu.

Landung in Dubai mit einer knappen Stunde Aufenthalt wegen der Verspätung. Kopfschmerz unerträglich, Ohren dicht, Schmerzmittel im Hauptgepäck.

Beim Einstieg zum Flug nach Colombo bekomme ich Paracetamol und eine ganze Sitzreihe für mich allein, da nicht ausgebucht. Ich kann mich hinlegen und schlafe sofort ein.

Als ich aufwache, geht es mir viel besser (erst mal).

Ich werde tatsächlich abgeholt: ANJE steht auf dem Schild. Knapp drei Stunden Autofahrt für dreißig Kilometer von Colombo nach Beruluwa wegen Rush Hour, bei der ich immer wieder einschlafe, statt das Neue aufnehmen zu können, und dann bin ich endlich in meiner ersten Sri Lanka Unterkunft direkt am indischen Ozean. Den kann ich gerade mal mit meinen Füßen begrüßen, dann noch rasch irgendwie ins Internet und eine kurze „anjekommen – Nachricht versendet, und noch irgendwas gegessen, und schnell ins Bett.

Hot Ypsilon BeruwelaDas Ypsilon Guesthouse erkunde ich am nächsten Morgen. Schöne Anlage, fast alle Zimmer mit großen Balkons zum Meer und einem lauschigen Restaurant direkt am Strand. Sonst alles so, wie ich es NICHT mag. Alles hinter dicken Mauern mit eisernem Tor, von mürrisch dreinblickendem Sicherheitspersonal bewacht.

Innen drin Deutsche, Deutsche und Deutsche, dann noch ein paar Holländer und, wenn ich mich nicht verhört habe, Russen.

Nach zwei Tagen, trotz traumhaftem Strand, akute Gefahr von Lagerkoller. Dazu ein verheerendes Schnorchelerlebnis: nicht ein einziger Fisch, aber eine geschätzte Million von kleinen und kleinsten Plasikstückchen bis hin zu ganzen Plastiktüten, Plastikseilen etc.. Obwohl ich drei Tage gebucht habe, checke ich den Tag darauf in der Frühe aus und lasse mich und mein massiges Jahresgepäck mit dem Tuk-Tuk (dreirädrige Motorradrikscha, gibt es hier wie Sand am Meer) zwanzig Kilometer weiter nach Induruwa zum „Long Beach Cottage“ der Deutsch-Sri Lankischen Familie Yajasundara fahren – für umgerechnet 2.30€.

Mehr in der nächsten Mail,

Ayubowan,

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