Zweiter Streich

Long Beach CottageMeine zweite Station auf Sri Lanka, ebenso an der Westküste und nur etwa 20 Km von der ersten Station Beruwela entfernt, heißt Long Beach Cottage und liegt in einem winzig kleinen Küstenort namens Induruwa (gesprochen, als hätte man ca 25 Kaugummis auf einmal im Mund, sonst versteht einen niemand!).

Hannelore aus Bonn und Pinsiri Yajasundara führen das Gästehaus direkt am Strand seit 1982 und haben ganz nebenbei noch zwei Söhne großgezogen (die leben beide in Deutschland). Fünf einfache Zimmer mit fließend kalt Wasser und Ventilator, sehr preiswert, dafür alle Zimmer mit Ozeanblick und -rauschen, drei davon im ersten Stock mit Gemeinschaftsveranda (hübsch und sehr kommunikativ, wie die kleine Meerblick-Restaurant-Terrasse im Erdgeschoss auch). Hannelore und offensichtlich auch Freunde des Hauses nennen und rufen den recht kleinen und bis auf ein Bäuchlein auch zierlichen Pinsiri „Pinscho“ : -/

AbendstimmungDrei Hausangestellte, die ihresgleichen hinsichtlich Aufmerksamkeit, Fleiß und hingebungsvollem Bemühen um jeden Gast wohl schwerlich woanders finden lassen, versüßen einem hier das Leben und beschenken einen bei jeder Begegnung mit einem zauberhaften Lächeln: der Koch (laufender Meter, Mückengewicht, mit den windschiefsten Zähnen, aber auch dem weltschönsten Lächeln, daher wohl der Name Sunny, gerade vor 6 Tagen 50 Jahre alt geworden), der Gärtner (langes Mückengewicht, mit Brille, was hier total selten ist, sicher über 50, aber immer auf Zack, mit unaussprechlichem Namen) und der Chauffeur ———— nein nein, nicht zu viel Miss Marple, es ist nur, wie Hannelore ihn vorgestellt hat, „unser Mädchen für alles“ mit Namen Damey (alle rufen ihn ‚Dummy‘, ein hübscher, für Sri Lanka Verhältnisse großer und stattlicher junger Mann, 25 Jahre alt, seit 3 Jahren im Dienst der Familie, überaus bescheiden und stets schon damit zu einem unterwegs, worum man ihn gerade bitten wollte).

Alle drei arbeiten von 05.30 Uhr morgens bis nicht selten 0.00 Uhr nachts in sechs-Tage-Woche; freiwillig arbeiten sie vier Wochen durch, um dann vier Tage am Stück zu ihren Familien fahren zu können.

Ich evoziere schon gleich zu Beginn meines Aufenthaltes einen „Tomaten-Skandal“.
Man könne den Kühlschrank mitbenutzen, falls man etwas habe, was der Kühlung bedarf, informiert mich Hannelore.

Ich studiere die Speisekarte. Trinkwasser mehr als doppelt so teuer wie im Laden, keine alkoholischen Getränke. Ich bestelle zur Erfrischung eine Mango Frucht, doch es gibt gerade keine Mango.

Bus fahren in Sri LankaIch fahre mit dem Bus (für umgerechnet 10 Cent) zum nächstgrößeren Ort mit Supermarkt, kaufe Mangos, Avocados, Käse, ein Pfund prächtig aussehende Tomaten, dunkles Brot (Long Beach hat nur weißes), Wasser.
Bier kann man nur in sogenannten Liquid Wine Stores erwerben (etwa alle 2,5 Km einer), denn dafür braucht es eine staatliche Lizenz. Auf dem Rückweg werde ich auch diesbezüglich fündig.

Sunny hilft mir, die Sachen im Kühlschrank zu verstauen, ich bin sehr beglückt und zufrieden.

Später komme ich vom Strand, der von einem allerliebsten, Schatten spendenden Mangroven und Palmen Wäldchen umsäumt ist und bin äußerst guter Dinge. Ein Paradies! Da werde ich von Hannelore ‚gestellt‘:

Warum ich nicht gefragt hätte, sie würden auch Bier verkaufen! Dies stünde nur nicht auf der Karte, denn sie hätten keine Lizenz.

Strand in Sri LankaDas konnte ich nicht ahnen, sage ich, aber nun weiß ich ja Bescheid. Ja, und Früchte hätten sie doch auch! Aber keine Mangos, denn danach hatte ich gefragt! antworte ich in vollem Rechts-Bewusstsein. Na und, sagt Hannelore, Papaya sei doch auch lecker, und die hätten sie! Und überhaupt, TOMATEN! Ich erkläre ihr, dass ich Tomaten liebe und so begeistert war, welche zu entdecken, dass ich nicht widerstehen konnte… Aber Tomaten stehen in der Karte UND sind auch da! schnaubt Hannelore wütend und entschwindet.

Schnell habe ich im Long Beach angenehmste Bekanntschaft gemacht mit meinen Mitgästen. Paola und Giorgio aus Italien, Boa aus Indien, Elli und Beate aus der Schweiz, Helmut und Susi aus Reutlingen, eine sympathische bunte Mischung. Sie alle erzählen mir nach und nach amüsiert von der Geschichte mit dem Tomatenskandal, den sie alle ‚serviert‘ bekommen haben; und versichern mir, auch sie würden Obst, Gemüse und Getränke immer draußen in den Läden kaufen, hätten das Kühlschrankangebot jedoch lieber nicht angenommen.

Ich zeige Reue in meinem gasthäuslichen Bestellverhalten und schwupps————- ist der Hausfrieden wiederhergestellt.

Bus fahren in Sri LankaJeden Tag fahre ich alleine mit dem Bus in die nächste Stadt Alutgama und zurück, um groß, stark und furchtlos zu werden, denn so gut wie immer bin ich das einzige Bleichgesicht. Bus kostet umgerechnet wie gesagt 10 Cent für die Strecke, die anderen Touri‘s nehmen lieber die Tuk Tuks, in denen sie für knapp zwei Euro dieselbe Strecke exklusiv befördert werden.
Am dritten Tag habe ich die 17 Rupies nicht passend, sondern nur einen 50 Rs Schein. Der Cashman nimmt den Schein und geht weiter, auch auf dem Rückweg keine Wechselgeldallüren. Ich gehe hin und bitte um mein Wechselgeld. Daraufhin gibt er dem Fahrer ein Zeichen, auf offener Strecke anzuhalten, zeigt mit dem Finger zum Ausgang und sagt so was wie „raus hier“ auf singhalesisch.

Da steh ich nun. Beschließe zu laufen. Auf der anderen Seite bald ein Polizist, der so viele Motorräder wie möglich anhält und sich von allen verstört dreinblickenden Fahrern die Papiere zeigen lässt.

Ich gehe zu ihm hin und frage nach der nächste Bushaltestelle. What happened, will er wissen und setzt eine höchst professionelle Miene auf.

oder Tuk Tuk fahren in Sri LankaIch erzähle den kleinen Vorfall und er sagt no problem lady, wait a minute. Ich denk, was macht er jetzt, holt er sein Motorrad? Aber nein. Angesichts eines in irrem Tempo herannahenden Busses prescht er wie eine Spinne an der Beute-Leine auf diesen zu, deutet gebieterisch mit dem Zeigefinger auf den Asphalt vor sich ——- und der Bus kommt mit quietschenden Reifen zwei Zentimeter vor seiner rausgeklappten Schuhspitze zum Stehen. Drei Worte zum Cashman, und der Bus fährt mit mir weiter. Cashman hält die Hand auf, wieder habe ich nur 50 Rs.

Die steckt er in sein riesiges Bündel loser Scheine, woran man jeden Cashman erkennt, zupft geschickt und pfeilschnell eine Art Buket aus bunten Scheinen zurecht, drückt mir selbiges in die Hand und geht weiter. Ich zähle nach: 50 Rs, in kleinen Scheinen….

Der Bus hält dafür auch noch exklusiv direkt am Eingang vom Long Beach.

So, das reicht erst mal wieder für den zweiten Streich, obwohl es ja sooooviel zu erzählen gibt……..

Ayubowan und auf bald,

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